Intructorausbildung

Es war mal wieder so weit. Berlin-Karow, der 14.02.98. Die 1. Instructorausbildung diesen Jahres. Die Halle war wirklich besetzt. Nachdem sich Sensei Imura seiner Gruppe kurz vorstellte bzw. Piere L. mit seinen Mittrainierenden ihn begrüßten, ging es dann auch schon los. Mit lockeren Übungen im Stand wie Sanbon-Zuki oder Kombinationen wie Age-Uke, Soto-Uke, Gedan-Barai wurden die Karateka schon richtig gefordert. Dabei versteht es sich natürlich von selbst, daß alle in Kiba-Dachi stehen mußten - Schwarzgurtniveau. Dabei zitterten so manch einem die Beine. Nach diesen Trockenübungen ging es dann zur Praxis an den Partner über. 3 Partner mußten sich zusammenfinden, um Mae-Gerie miteinder zu trainieren. Jeweils 1 Partner mußte sich dabei in Bankstellung zwischen den anderen beiden hinknien, während sich der 2. Partner mit einem Fuß auf jenen stellen mußte dabei eine Hand hochhaltend, auf jene dann der 3. Partner Mae-Gerie treten mußte. Ziel und Zweck der Übung war es einen langen Mae-Gerie auf eine lange Distanz zu treten, welcher auch zielgenau und äußerst präzise sein mußte um den anderen nicht zu verletzen - aber auch stark. Dabei kam es natürlich auch auf einen festen Stand an - ein Herumwackeln gab es nicht. Nach dieser Übung folgte sogleich eine weitere am Partner: Der Angreifer mußte mit Mae-Gerie, Jodan-Zuki, Shudan-Zuki und Shudan-Zuki angreifen. Während dessen die Verteidigerseiten mit Gedan-Barei, Age-Uke, Soto-Uke und Gedan-Barai abwehren mußten. Dies war auch ziemlich anstrengend, da der Partner ganze 7x gewechselt wurde. Dabei keuchte so ziemlich jeder. Auf den richtigen Rhythmus dieser nun sehr schwierig erscheinenden Kombinationen legte Sensei Imura besonders Wert. Durch das Motto "dem Gegner den eigenen Rhythmus aufzwingen", war in der Halle "Action" angesagt und die Kampfschreie grollten durch die Halle, so als ob eine Lawine ein ruhiges Tal platt macht. Alle Karateka mußten nach Anweisung des Sensei's so schnell sein, daß der Gegner seine Besinnung völlig verliert. Nun endlich war es an der Zeit eine fünf-minütige Pause dazwischenzuschieben, die wirklich angebracht war. Dann ging es weiter. Die nächste Übung wurde durch ein gewisses Kamikazetraining fortgesetzt. Beide Partner standen sich dabei mit Shudan-Kamae gegenüber, während sie auf Zählzeit mit Oi-Zuki aufeinander zuliefen, sich aber nicht dabei umrennen bzw. verletzen durften. Etwas später wurde noch Mawashi-Geri hinzugefügt. Dies schien auch so jeden platt zu machen, weil ein richtiger Rhythmus zum einen gefragt war, zum Anderen aber auch ein richtiges Körpergefühl sowie auch Kime. PUH... Nach dieser Kombination ging das Training langsam seinem Ende entgegen und Sensei Imura machte noch einige Anmerkungen: 1. "Dies war Jion-Training, indem ihr vor allem lernen müßt schnell zu sein - so schnell, als ob ein Adler eine Maus packt." 2. "Man soll nicht immer mechanisch Kata üben, obwohl die Grundschule wichtig ist. Das richtige Timing in der Kata ist wichtig"... Er legte besonders Wert auf Hikite, sowie auf Schnelligkeit und Hüftrotation. Die ist halt ein typisches Trainingsniveau für Schwarzgurte. Sensei Imura legte sich sofort ins Zeug. Das machte wieder so ziemlich jeden zu schaffen. Mit einer einfachen Sprungwechselübung aus Zenkutsu-Dachi. Dabei mußten alle immer im Wechsel Gyaku-Zuki ausführen. Danach tat er noch etwas mehr für die Beine. Nach einem kurzen Sprungwechsel wurde also Mae-Gerie eingebaut, woraufhin dann aber alle hinten abgesetzten mußte. Nach einer kurzen Verschnaufpause wurde noch bis zum Ende des Trainings ein intensives Jion-Training vorgenommen. Ja, Kata kann wirklich anstrengend sein... Nach dem Training stellte Imura ihnen noch eine simple Frage: "Denkt ihr, ihr habt heute etwas gelernt?" Jeder keuchende Karateka antwortete darauf mit einem schnellen "ja", um weiteren Strapazen nicht ausgesetzt sein müssen. Sicherlich freut sich schon jeder Karateka, um an einem weiteren Lehrgang mit Sensei Imura teilzunehmen. M. Keßler Am Sonntag ging es dann lustig weiter. Sensei Imura kam etwas früher als erwartet und schon rief Pierre zur Aufstellung. Alle richteten sich aus und standen in einer Reihe nur einer fehlte - Sensei Imura. Die weiter vorn stehenden Schwarzgurte schauten etwas verwundert drein, als dieser plötzlich verschwunden war. Doch dann entdeckt Pierre ihn. Mit einem verschmitzten Lächeln hatte sich Sensei Imura einfach einmal ganz hinten neben den letzten Braungurt hingestellt und harrte der Dinge die da kommen sollten. Nach der Begrüßung eröffnete uns Sensei Imura, daß wir heute Kanku Dai üben werden. Er sagt, die Kata sei sehr lang und wir hätten nicht viel Zeit, also müßten wir uns schnell an die Arbeit machen. Und dann ging es auch schon los. Zunächst waren einige Armtechniken dran, doch schon sehr schnell ging Sensei Imura zum eigentlichen Schwerpunkt über - Uraken, Shuto Uchi und alles natürlich mit sehr deutlichem Hüfteinsatz, den Sensei Imura übrigens in Perfektion demonstrieren konnte, uns jedoch gelang dies nur mit großer Mühe. Der Schwerpunkt des Sonntags-Trainings lag allerdings im Üben der Kata Kanku-Dai. Eine kennzeichnende und auch besonders schwierige Technik dieser Kata ist Nidan Tobi Geri (zweifach gesprungener Fußtritt). Diese Technik ließ uns Sensei Imura auch ganz besonders üben, was schließlich dazu führte, daß die Obeschenkel immer dicker wurden und sich die Beine letztlich nur noch schwer bewegen ließen. Dann wurde zur Partnerübung übergegangen, wobei Sensei Imura Wert auf besonders starke und effektive Techniken legte. Da die meisten zunächst relativ zaghaft an die Ausführung der Techniken gingen, legte er uns nahe, besser gleich richtig zu trainieren, denn was solle schließlich eine halbherzig ausgeführte Technik schon bewirken...? Die Kata selbst vermittelte Sensei Imura in altbewährter Manier: Die gesamte Kata mehrfach laufen, immer wieder auf andere Schwerpunkte hinweisen und zwischendurch die eine oder andere Anwendung üben, bis alles klappt. Zum Abschluß gab uns Sensei Imura selbst noch eine Kostprobe seines Könnens: Er führte uns die Kata Jitte vor, die wir noch vor kurzem von Sensei Ohta sahen. Aber welch ein Unterschied! Wer Sensei Ohta kennt, weiß ob seiner hervorragenden Techniken, doch gegen Sensei Imura nahmen sich seine Techniken fast wie nichts aus. Sensei Imura ist eben nicht umsonst Weltmeister geworden. Ralph P. Görlach

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