{"id":311,"date":"1999-06-15T09:31:33","date_gmt":"1999-06-15T08:31:33","guid":{"rendered":"http:\/\/lubwart.de\/wordpress\/?p=311"},"modified":"2008-02-14T12:01:16","modified_gmt":"2008-02-14T11:01:16","slug":"prufungen-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bushido-lubwart.de\/wordpress\/prufungen-5\/","title":{"rendered":"Pr\u00fcfungen"},"content":{"rendered":"<p>Pr\u00fcfungen im Karate<\/p>\n<p>Pr\u00fcfungen dienen in erster Linie der \u00dcberpr\u00fcfung der eigenen Leistungen durch unabh\u00e4ngige Dritte. Sie k\u00f6nnen Best\u00e4tigung der eigenen Einsch\u00e4tzung sein oder aber auch dem Kandidaten deutlich machen, dass er die Worte und Mahnungen seines Lehrers ernster nehmen sollte.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>\u00dcber die Pr\u00fcfungszulassung<\/p>\n<p>F\u00fcr gew\u00f6hnlich ist es so, dass der Lehrer \u00fcber die Pr\u00fcfungszulassung der einzelnen Kandidaten entscheidet. In der Vergangenheit habe ich jedoch bemerkt, dass die Entscheidungen des Lehrers h\u00e4ufig missverstanden oder als Schikane empfunden wurden.<\/p>\n<p>Der Lehrer hat nicht die prim\u00e4re Aufgabe, zu verhindern, dass sich seine Sch\u00fcler der n\u00e4chsten Pr\u00fcfung stellen. Dadurch entsteht zumeist nur Frust und Unverst\u00e4ndnis. Seine Aufgabe ist es vielmehr, die Sch\u00fcler auf die Pr\u00fcfung vorzubereiten, wobei aber das Erreichen der n\u00e4chsten Graduierung niemals Selbstzweck werden darf. Daher sollte meines Erachtens niemals das \u00dcben des Pr\u00fcfungsprogramms im Vordergrund des allt\u00e4glichen Trainings stehen. Die Techniken und Fertigkeiten, die im Pr\u00fcfungsprogramm abgefordert werden, sind nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was der Sch\u00fcler beherrschen muss.<\/p>\n<p>Andererseits sollte der Lehrer aber auch niemals den Sch\u00fcler durch abruptes Abblocken der n\u00e4chsten Pr\u00fcfung vor den Kopf sto\u00dfen. Es liegt in seiner Verantwortung, in dem Sch\u00fcler das Verst\u00e4ndnis zu wecken, dass es besser ist, noch ein wenig zu warten, wenn er wirklich noch nicht allen Anforderungen entspricht. In diesem Zusammenhang muss der Lehrer aber auch zugleich f\u00fcr den Sch\u00fcler erreichbare Ziele stecken, die dieser auf seinem Weg zur n\u00e4chsten Graduierung bew\u00e4ltigen kann. Dies k\u00f6nnen auch mehrere Teilziele sein, die erreicht werden m\u00fcssen. Der Sch\u00fcler muss sp\u00fcren, dass er mit jedem erreichten Teilziel seinem Wunschziel, dem n\u00e4chsten G\u00fcrtelgrad, St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck n\u00e4her r\u00fcckt. So wird er trotz des Umstandes, dass er noch nicht an der n\u00e4chsten Pr\u00fcfung teilnehmen darf, dennoch seinen eigenen Fortschritt bemerken und nicht frustriert, dem Karate den R\u00fccken zukehren.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich darf der Lehrer auch ein deutliches &#8222;Nein&#8220; aussprechen, wenn es um die Frage der Pr\u00fcfungszulassung geht, aber dies sollte gut \u00fcberlegt sein, denn dieses &#8222;Nein&#8220; wird nur all zu oft dazu f\u00fchren, dass dieses Mitglied f\u00fcr den Verein ein f\u00fcr allemal verloren ist. Niemand wird negativere Propaganda betreiben, als ein entt\u00e4uschtes Mitglied, wohingegen man sich keine besseren Werbetr\u00e4ger als zufriedene Mitglieder vorstellen kann.<\/p>\n<p>Die Antwort auf die Frage, ob jemand zur n\u00e4chsten Pr\u00fcfung zugelassen wird oder nicht erfordert Feingef\u00fchl und einen taktvollen Umgang mit dem Menschen. Kindern gegen\u00fcber ist es besser, die positiven Punkte, die bereits erreichten Ziele den eigenen Ausf\u00fchrungen voranzustellen, bevor man die noch verbesserungsbed\u00fcrftigen Punkte nennt, die es erfordern, dass das Training zun\u00e4chst noch fortgesetzt wird, denn nach einem &#8222;Nein&#8220; werden die positiven Aspekte h\u00e4ufig nicht mehr geh\u00f6rt, da sich Traurigkeit oder Trotz im Gem\u00fct des Kindes breit machen und das Ohr verschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Es kann aber in Ausnahmef\u00e4llen auch durchaus einmal heilsam sein, jemanden &#8222;in das offene Messer laufen&#8220; zu lassen, indem man ein Mitglied einfach an einer Pr\u00fcfung teilnehmen l\u00e4sst. So wird die Auffassung des Lehrers durch einen unabh\u00e4ngigen Dritten &#8211; den Pr\u00fcfer &#8211; best\u00e4tigt. Vielleicht h\u00f6rt der Sch\u00fcler ja dann endlich auf den Lehrer.<\/p>\n<p>Allerdings sollte ein derartiges Verfahren nicht den Regelfall darstellen, da auch hier die Gefahr sehr gro\u00df ist, das Mitglied endg\u00fcltig zu verlieren. Nicht bestandene Pr\u00fcfungen werden h\u00e4ufig als Beweis f\u00fcr die eigene Unf\u00e4higkeit angesehen.<\/p>\n<p>Was Pr\u00fcfungen sind<\/p>\n<p>Pr\u00fcfungen sind eine Best\u00e4tigung des bisher Erreichten. Sie dokumentieren den Fortschritt, den man in seiner Kunst bew\u00e4ltigt. Die farbigen G\u00fcrtel im Karate sind auch ein nach au\u00dfen deutlich sichtbares Zeichen der bisherigen Bem\u00fchungen und lassen einen ungef\u00e4hren Aufschluss \u00fcber den Fertigkeitsgrad des Tr\u00e4gers zu.<\/p>\n<p>Was Pr\u00fcfungen nicht sind<\/p>\n<p>Pr\u00fcfungen sind ganz sicher nicht der Fortschritt, den man macht, sie beweisen letztlich auch nichts. Wie gut oder wie schlecht jemand ist, wird nicht durch den G\u00fcrtel, den man tr\u00e4gt untermauert oder belegt. Nein, echtes K\u00f6nnen beweist sich selbst und bedarf keiner weiteren Autorit\u00e4t oder St\u00fctze, wie sie von einigen in den Graduierungen des Karate gesehen wird.<\/p>\n<p>Bin ich bereit?<\/p>\n<p>Eine Pr\u00fcfung bestehen will jeder, aber bin ich auch dazu bereit, die damit verbunden Herausforderungen anzunehmen?<\/p>\n<p>Wenn ich heute mein 18. Lebensjahr vollende, so bin ich heute, an meinem 18. Geburtstag, auch nicht automatisch ein Jahr \u00e4lter geworden, sondern eben seit gestern nur einen Tag \u00e4lter geworden. Mit meinem 18. Lebensjahr werde ich vollj\u00e4hrig. Damit ergeben sich f\u00fcr mich v\u00f6llig neue Rechte aber auch zahlreiche Pflichten und ich muss mein Tun und Handeln k\u00fcnftig st\u00e4rker abw\u00e4gen und genauer dar\u00fcber nachdenken, ob es das Richtige ist, was ich zu tun beabsichtige.<\/p>\n<p>Ebenso verh\u00e4lt es sich mit den Pr\u00fcfungen im Karate. Bestehe ich heute meine Pr\u00fcfung zum 3. Kyu (Braungurt), so werde ich damit nicht automatisch besser, als ich gestern war. Mit der Pr\u00fcfung ist mein Dasein als Blaugurt beendet, ich darf nun den braunen G\u00fcrtel tragen, aber der Weg, der zum Erreichen dieses neuen Grades erforderlich war, musste ich unter vielen M\u00fchen und Qualen hinter mich bringen. Jetzt muss ich mich der neuen Herausforderung stellen.<\/p>\n<p>Die Graduierung annehmen<\/p>\n<p>Nach Bestehen einer Pr\u00fcfung bin ich berechtigt, aber auch verpflichtet, den neuen G\u00fcrtel zu tragen. Dazu geh\u00f6rt aber auch, dass ich mich des neuen Grades w\u00fcrdig erweise und st\u00e4ndig mein Verhalten kontrolliere. Ein \u00e4lterer Sch\u00fcler muss nach unten stets vorbildhaft handeln und nach oben hin achtungsvoll sein, gleichrangigen Sch\u00fclern gegen\u00fcber darf er es nie an Respekt mangeln lassen. Nur so erweist er sich seines Grades w\u00fcrdig. Stets muss er um Fortschritt bem\u00fcht sein und darf nie in seinem Bestreben um weitere Verbesserung nachlassen. Das ist es, was man im Karate auch als &#8222;Do&#8220; bezeichnet.<\/p>\n<p>Dokan &#8211; Der Weg ist ein Kreis. Ein guter Sch\u00fcler des Karate wird wissen, dass er sich nie mit dem Erreichten zufrieden geben darf, dass man st\u00e4ndig weiter trainieren muss.<\/p>\n<p>Immer gibt es jemanden, der besser ist als man selbst. Nie darf ich mich an denen orientieren, die schlechter sind, als ich selbst, immer muss ich mir vor Augen halten, dass diejenigen, die besser sind als ich, ihre Kunstfertigkeit auch erreicht haben und wenn es sie geschafft haben, dann kann ich es auch schaffen. St\u00e4ndig bin ich im Lernen begriffen. Von guten Sch\u00fclern kann ich lernen, meine Technik zu verbessern, von schlechten Sch\u00fclern kann ich lernen, Fehler zu vermeiden.<\/p>\n<p>Ich beginne als Anf\u00e4nger mit einem wei\u00dfen G\u00fcrtel zu trainieren und lerne die Techniken des Karate. Die G\u00fcrtelfarbe wird immer dunkler und schlie\u00dflich schwarz. Doch dann, wenn ich den schwarzen G\u00fcrtel erreicht habe, stehe ich abermals am Anfang und alles beginnt von Neuem, bis sich das Schwarz meines G\u00fcrtels wieder in das Wei\u00df des Anf\u00e4ngers umgekehrt hat.<\/p>\n<p>Der Lehrer und der Sch\u00fcler<\/p>\n<p>Der Lehrer wird mir immer nur den Weg weisen k\u00f6nnen, beschreiten muss ich ihn selbst.<br \/>\nDer Lehrer kann mir nur meine Fehler aufweisen, berichtigen muss ich sie selbst.<br \/>\nDer Lehrer kann mir Hilfestellungen geben, annehmen muss ich sie selbst.<br \/>\nDer Lehrer kann mir Erkl\u00e4rungen geben, verstehen und umsetzen muss ich sie selbst.<\/p>\n<p>&#8222;Wer fertig ist,<br \/>\ndem ist nichts recht zu machen.<br \/>\nEin Werdender,<br \/>\nwird immer dankbar sein.&#8220;(Johann Wolfgang v. Goethe)<\/p>\n<p>Verstehen und Verst\u00e4ndnis<\/p>\n<p>Verstehst Du, was der Lehrer sagt? &#8211; Seine Worte verstehe ich.<br \/>\nBegreifst Du, was der Lehrer sagt? &#8211; Ich habe doch verstanden, was er will.<br \/>\nWirst Du auch tun, was der Lehrer verlangt? &#8211; Warum?<\/p>\n<p>Verstehen, Verst\u00e4ndnis und Begreifen sind Dinge, die man nur schlecht in Worte fassen kann. Was ich h\u00f6re, verstehe ich nicht immer, was ich verstehe, begreife ich nicht immer und was ich begriffen habe, wir nicht immer auf meine Gegenliebe sto\u00dfen.<\/p>\n<p>Verstehen kann ich nicht mit den Ohren. Mit diesen kann ich nur H\u00f6ren. Verstehen muss ich mit dem Herzen. Was das Herz versteht, wird der Verstand auch begreifen k\u00f6nnen. Es gibt Dinge, die man einfach nicht in Worte fassen kann, man muss sie leben, um sie begreifen und erfassen zu k\u00f6nnen. Darum sage ich, was das Herz versteht, begreift auch der Verstand. Wenn ich meine Kunst liebe, entsteht das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Kunst von selbst, weil ich die Kunst mit Leben erf\u00fcllen kann. Liebe ich die Kunst nicht, werde ich sie auch nie verstehen k\u00f6nnen, da sich ohne Liebe kein Verst\u00e4ndnis entwickeln kann. Ist das Herz verschlossen, finden die Worte keinen Weg zum Verstand und pl\u00e4tschern dahin wie das Regenwasser, das kein Woher kein Wohin kennt.<\/p>\n<p>Man kann Karate nicht in Worte fassen und man kann nicht mit Worten lernen. Man muss mit seinem ganzen K\u00f6rper &#8211; mit Herz und Seele hinter seiner Kunst stehen. Alle M\u00fchen und Anstrengungen bedeuten nichts mehr, die H\u00fcrden, die es zu \u00fcberwinden gilt, werden winzig klein, es gibt Nichts, das nicht erreicht werden k\u00f6nnte &#8211; doch dazu ist eines erforderlich: Hingabe &#8211; und man erh\u00e4lt alles tausendfach zur\u00fcck. Wer sich selbst aufgeben kann, um f\u00fcr andere dazusein, dem wird dies letztlich immer wieder vergolten und das Leben gewinnt an Sinn und Tiefe.<\/p>\n<p>Wer sein Ziel kennt, kann es auch erreichen.<\/p>\n<p>Das Ziel ist nicht der n\u00e4chste Grad in einer Kunst. Das Ziel ist der Weg dorthin.<br \/>\nDaher sagen alte Meister auch: Der Weg ist das Ziel.<\/p>\n<p>Karate &#8211; wie auch jede andere Kunst &#8211; ist so tief, dass man sie doch niemals vollst\u00e4ndigen begreifen oder durchdringen kann. Daher kann nur der Weg das Ziel sein, denn zu versuchen, ein Ziel zu erreichen, das nicht erreicht werden kann, k\u00e4me dem Versuch gleich, einen Brunnen mit einem Eimer ohne Boden leersch\u00f6pfen zu wollen.Wer versucht, ein Ziel zu erreichen, das nicht erreicht werden kann, wird frustiert aufgeben. Wer aber versteht, den erwartet ein Leben von bisher ungeahnter F\u00fclle.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pr\u00fcfungen im Karate Pr\u00fcfungen dienen in erster Linie der \u00dcberpr\u00fcfung der eigenen Leistungen durch unabh\u00e4ngige Dritte. 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