{"id":1160,"date":"2008-02-26T10:47:57","date_gmt":"2008-02-26T09:47:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bushido-lubwart.de\/wordpress\/?page_id=1160"},"modified":"2008-02-26T10:47:57","modified_gmt":"2008-02-26T09:47:57","slug":"traditionen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.bushido-lubwart.de\/wordpress\/karate-and-more\/hintergrunde\/verschiedenes\/traditionen\/","title":{"rendered":"Traditionen"},"content":{"rendered":"<p>Die Kampfk\u00fcnste blicken auf eine lange Geschichte zur\u00fcck. Niemand kann heute mehr genau sagen, wie und wo die Kampfk\u00fcnste entstanden sind. Die Urspr\u00fcnge verlieren sich im Grau der Vorzeit, da das Wissen \u00fcber die Kampfk\u00fcnste \u00fcber lange Zeit hinweg geheimgehalten und nur m\u00fcndlich vom Meister zum Sch\u00fcler \u00fcberliefert wurde. Letztlich ist aber sicher, da\u00df das Wissen um die Geheimnisse des Kampfes so alt ist, wie die Menschheit selbst, denn seit jeher mu\u00dften sich den Menschen gegen ihre Umwelt behaupten. So wie die Menschen sich Werkzeuge schufen, entwickelten sie auch immer neue Waffen und damit nat\u00fcrlich auch immer ausgefeilter Techniken, diese Waffen zu handhaben, beziehungsweise abzuwehren.<\/p>\n<p>Aufgrund der langen Geschichte haben diese Kampfk\u00fcnste auch bis in unsere Zeit hindurch erhaltene Traditionen, die ebenso wie die Techniken selbst, lange vor unserer Zeit entstanden und mit dem Wissen um die Techniken weitergegeben wurden. Wer sich heute f\u00fcr die traditionellen Kampfk\u00fcnste entscheidet, wird immer wieder mit der Vergangenheit konfrontiert. Dies geschieht zun\u00e4chst, und f\u00fcr alle Sch\u00fcler am ehesten sp\u00fcrbar, in der Etikette, den Umgangsformen zwischen den Sch\u00fclern und Lehrern in und au\u00dferhalb des Dojos.<\/p>\n<p>Karate ist eine japanische Kampfkunst. Wir haben da zum einen dieses ewige An- und Abgr\u00fc\u00dfen beim Training. Dies hat &#8211; wie vielleicht die wenigsten wissen werden &#8211; durchaus seinen Sinn, denn durch die Verneinung voreinander versprechen die Sch\u00fcler r\u00fccksichtsvoll miteinander zu \u00fcben. Nach der \u00dcbung verneigen sich die Partner voreinander, um f\u00fcr die gemeinsame \u00dcbung zu danken.<\/p>\n<p>Die Verneigung ist ein Zeichen der gegenseitigen Achtung, die Verbeugung hingegen, wie sie vielfach aufgrund falschen Verst\u00e4ndnisses der Tradition zu sehen ist, ein Zeichen der Unterw\u00fcrfigkeit. Dies ist jedoch nicht das Ziel des Training. Der Sch\u00fcler soll n\u00e4mlich durch das Training bef\u00e4higt werden, sich selbst zu erkennen, seinen K\u00f6rper zu beherrschen, sein eigenes Ego zu entwickeln, also seine eigene Pers\u00f6nlichkeit frei zu entfalten. Dies wird aber durch eine Verbeugung keinesfalls unterst\u00fctzt, sondern eher verhindert, da der Sch\u00fcler dadurch eingeengt wird. Die Verneigung ist Ausdruck der H\u00f6flichkeit und der gegenseitigen Achtung.<\/p>\n<p>Beobachten wir beispielsweise alte Menschen, so werden wir bemerken, da\u00df einige von ihnen noch in unseren Tagen beim Gru\u00df den Hut vom Kopf nehmen und sich leicht verneigen. Was uns antiquiert und eigentlich v\u00f6llig weltfremd erscheint, ist vor zwei Generationen auch in unseren Breiten noch g\u00e4ngige Umgangsform gewesen.<\/p>\n<p>Ferner ist da die Verneigung vor dem Betreten und beim Verlassen des Dojos. Die Etikette schreibt dies vor, aber warum? Ich k\u00f6nnte es mir mit der Antwort leicht machen und sagen: Weil es immer so war. Aber diese Antwort ist v\u00f6llig unbefriedigend. Die Verneigung beim Betreten des Dojos besagt, da\u00df der Karateka die Etikette anerkennt und ab Betreten des Dojos seine Gedanken ausschlie\u00dflich auf das bevorstehende Training ausrichten will, den Alltag also vor der T\u00fcr lassen will, nichts soll ihn von dem Training ablenken, keine allt\u00e4glichen Probleme aufregen, nicht der gestrige Film sein Gem\u00fct bewegen. So ist ein Training auf hohem Niveau m\u00f6glich, da der Karateka seine ganze Energie dem Training widmen kann und durch nichts abgelenkt wird. Leider ist aber immer wieder zu beobachten, da\u00df die Sch\u00fcler dies noch nicht verstanden haben.<\/p>\n<p>Ein weiterer Punkt ist dieses ewige Meditieren. Immer vor und nach jedem Training gibt der Lehrer das Kommando &#8222;Seiza!&#8220; und schon geht die Etikette wieder los: Zuerst das linke, dann das rechte Knie auf den Boden. Auch dies hat durchaus seinen Sinn. Man blicke in das japanische Mittelalter zur\u00fcck. Die Samurai trugen das Schwert an der \u00fcblicherweise linken H\u00fcfte. Wenn sie sich niederlie\u00dfen, so zuerst das linke Knie auf den Boden, der rechte Fu\u00df steht also noch fest auf der Erde. Wenn ihr Gegen\u00fcber nun pl\u00f6tzlich angreifen sollte, so konnten sie das Schwert mit Leichtigkeit ziehen und zudem schnell aufspringen. Sie waren dadurch in jeder Phase bereit, einen etwaigen Angriff abzuwehren oder diesem gar zuvorzukommen. Das gleiche ist beim Aufstehen zu beachten, nur das in diesem Falle das rechte Knie zuerst vom Boden gel\u00f6st wird (also genau in der umgekehrten Reihenfolge).<\/p>\n<p>Warum eigentlich achtet der Trainer darauf, da\u00df sich die Sch\u00fcler erst setzen, wenn er sitzt? Die Antwort darauf gibt ein altes chinesisches Sprichwort, wie man sie wohl kaum besser geben k\u00f6nnte: &#8222;Wenn die Alten stehen, d\u00fcrfen die Jungen nicht sitzen. Erst wenn die Alten sitzen, d\u00fcrfen sich die Jungen auf ihr Gehei\u00df hin hinsetzen.&#8220; Die &#8222;Alten&#8220; sind die Trainer. Diese werden wiederum je nach Graduierung unterschiedlich bezeichnet. Mit Sempai, &#8222;\u00e4lterer Sch\u00fcler&#8220; oder wie die Chiesen sagen &#8222;\u00e4lterer Bruder&#8220; werden Sch\u00fcler bezeichnet, die sich noch auf dem Weg zur Meisterschaft befinden, aber weiter sind als man selbst. Der Meister wird wiederum mit &#8222;Sensei&#8220; angeredet, was allerdings der \u00dcbersetzung &#8222;Meister&#8220; nicht gerecht wird. Meister hei\u00dft auf japanisch Yokozuna. Sensei hingegen bedeutet Lehrer. Die Chinesen reden ihren Meister mit &#8222;Sifu&#8220; an, was soviel wie &#8222;Vater&#8220; hei\u00dft. Dadurch wird das famili\u00e4re Verh\u00e4ltnis innerhalb der Trainingsgruppe verst\u00e4rkt, jedoch wird zugleich der Abstand zwischen Meister und Sch\u00fcler, der durch die tieferen Kenntnisse in der Kampfkunst bedingt ist, gewahrt. Andererseits wei\u00df der Trainer genau um die Probleme der Sch\u00fcler bescheid, denn er war ja schlie\u00dflich auch einmal auf einer niederen Stufe. Diesen, in den Kampfk\u00fcnsten sehr wichtigen, Aspekt vergessen leider viele Universit\u00e4tsprofessoren ihren Studenten gegen\u00fcber nur allzuschnell. Ein \u00fcberheblicher Dantr\u00e4ger ist noch lange kein Meister, denn Meister sein ist mehr, als nur einen schwarzen G\u00fcrtel tragen.<\/p>\n<p>Dann das Kommando &#8222;Mokuso!&#8220;. Alle sollen die Augen schlie\u00dfen und sich ausschlie\u00dflich auf die richtige Atmung konzentrieren. Der Sinn, der dahinter steckt, ist folgender: Durch die Atmung soll der Geist auf das bevorstehende Training ausgerichtet und die Kr\u00e4fte mobilisiert werden. Dies wird durch das Aufeinanderlegen der Zehen (rechter gro\u00dfer Zeh auf den linken) verst\u00e4rkt, da so der Energieflu\u00df geschlossen wird.<\/p>\n<p>Bei der Verneigung nach der Meditation erfolgt das Auf-den-Boden-Legen der H\u00e4nde, aus dem beim Setzen bereits erkl\u00e4rten Grund, gleichfalls in der Reihenfolge links &#8211; rechts, beim Aufrichten umgekehrt. Dadurch wird erreicht, da\u00df die rechte Hand so lange wie nur irgend m\u00f6glich an der H\u00fcfte bleibt, um im Falle eines Angriffs den dort befindlichen Dolch (Tanto) schnell ergreifen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ein letzter Punkt der wichtigen Etikette ist auch das Angr\u00fc\u00dfen von Trainer und h\u00f6her graduierten Sch\u00fclern, als Ausdruck der Achtung diesen gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Budo selbst ist der Oberbegriff f\u00fcr alle Kampfk\u00fcnste. Dieses Wort setzt sich aus den Zeichen Bu &#8211; f\u00fcr Kampf, Krieg und Do &#8211; f\u00fcr Weg zusammen. Diese beiden Zeichen zusammen gelesen, ergeben nun das Wort Budo, was soviel wie der Weg des Kampfes hei\u00dft. Dies bedeutet nun jedoch nicht, da\u00df der Karateka den Weg des Kampfes beschreitet, sondern vielmehr, da\u00df er f\u00fcr das Aufh\u00f6ren des Kampfes eintreten soll.<\/p>\n<p>In letzter Konsequenz w\u00fcrde dies bedeuten: Ein jeder, der die Kampfk\u00fcnste aus einem anderen Grunde erlernt, begeht damit einen Verrat an der Tradition und verdient es nicht, den Namen Karateka genannt zu werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kampfk\u00fcnste blicken auf eine lange Geschichte zur\u00fcck. Niemand kann heute mehr genau sagen, wie und wo die Kampfk\u00fcnste entstanden sind. Die Urspr\u00fcnge verlieren sich im Grau der Vorzeit, da das Wissen \u00fcber die Kampfk\u00fcnste \u00fcber lange Zeit hinweg geheimgehalten und nur m\u00fcndlich vom Meister zum Sch\u00fcler \u00fcberliefert wurde. 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