{"id":1155,"date":"2008-02-26T10:42:42","date_gmt":"2008-02-26T09:42:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bushido-lubwart.de\/wordpress\/?page_id=1155"},"modified":"2008-02-26T10:42:42","modified_gmt":"2008-02-26T09:42:42","slug":"ubungsregeln","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.bushido-lubwart.de\/wordpress\/karate-and-more\/hintergrunde\/verschiedenes\/ubungsregeln\/","title":{"rendered":"\u00dcbungsregeln"},"content":{"rendered":"<p>Bevor ich auf die technischen Aspekte des Karate eingehe, m\u00f6chte ich dem Leser gern einige allgemeine Hinweise geben, wie man an die \u00dcbung herangehen sollte und einige Aussagen \u00fcber die Einstellung treffen, die man zum Karatetraining haben sollte.<\/p>\n<p>Erstens, da Karate eine Kampfkunst ist, mu\u00dft du sie von Anfang an mit gr\u00f6\u00dfter Ernsthaftigkeit aus\u00fcben. Das bedeutet \u00fcber blo\u00dfes flei\u00dfiges und engagiertes Trainieren hinauszugehen. Bei jedem Schritt, bei jeder Bewegung deiner Hand, mu\u00dft dir vorstellen, da\u00df dir ein Gegner mit einem gezogenem Schwert gegen\u00fcbersteht. In jeden einzelnen Faustschlag mu\u00dft du die Kraft deines ganzen K\u00f6rpers legen, du mu\u00dft das Gef\u00fchl haben, deinen Gegner mit einem einzigen Schlag vernichten zu k\u00f6nnen. Du mu\u00dft dir vor Augen f\u00fchren, da\u00df, falls dein Schlag sein Ziel verfehlt sollte, du dein eigenes Leben verwirkt hast. So denkend, werden Kraft und Verstand konzentriert sein und dein Kampfgeist entsteht von selbst. Ganz gleich wie lange du dich dem Training widmest, ganz gleich wie viele Monate und Jahre vergehen, wenn deine \u00dcbung aus nichts anderem besteht, als aus dem Bewegen deiner Arme und Beine, k\u00f6nntest du ebensogut Tanz studieren. Du wirst niemals so weit kommen, die wahre Bedeutung des Karate zu begreifen.<\/p>\n<p>Du wirst im Laufe der Zeit bemerken, da\u00df ein Training mit einer todernsten Einstellung nicht nur f\u00fcr dein Studium des Karate von Vorteil sein wird, sondern auch f\u00fcr viele andere Bereiche des Lebens. Das Leben selbst \u00e4hnelt oft einem Wettkampf mit echten Schwertern. Was erhoffst du mit einer gleichg\u00fcltigen Einstellung zum Leben &#8211; wie zum Beispiel der Annahme, da\u00df dir nach jedem Fehler eine zweite Chance gegeben wird &#8211; in der kurzen Lebensspanne von nur f\u00fcnfzig Jahren zu erreichen?<\/p>\n<p>Zweitens, versuche alles genau so auszuf\u00fchren, wie man es dich gelehrt hat, ohne zu klagen oder dich an Kleinigkeiten hochzuziehen. Nur jene, die faul und mit sich selbst unzufrieden sind, nehmen zu Spitzfindigkeiten Zuflucht. Oft sind ihre l\u00e4cherlichen Beschwerden schon fast r\u00fchrend. Beim Lehren der R\u00fcckw\u00e4rtsstellung beispielsweise kommen Leute zu mir, die sagen, da\u00df sie die Stellung einfach nicht lernen k\u00f6nnten, ganz gleich wie sehr sie sich auch bem\u00fchten. Sie fragen mich, was sie tun sollen &#8211; das nachdem sie noch nicht einmal eine Stunde ge\u00fcbt haben! Selbst wenn jemand die R\u00fcckw\u00e4rtsstellung voller Eifer t\u00e4glich \u00fcbt, so lange steht, bis seine Beine so hart wie Stein sind, w\u00fcrde er dennoch sechs Monate bis zu einem Jahr ben\u00f6tigen, um sie zu erlernen.<\/p>\n<p>Es ist einfach l\u00e4cherlich einzuwenden, &#8222;Ganz gleich wie sehr ich mich auch bem\u00fche,&#8220; ohne auch nur ein bi\u00dfchen ins Schwitzen gekommen zu sein. W\u00fcrde ein Zen-M\u00f6nch etwas derartiges vernehmen, w\u00fcrde er den Mann wahrscheinlich anschreien und ausschimpfen und ihm zuguterletzt eine Kostprobe seines Stockes geben.<\/p>\n<p>Du kannst nicht mit Worten \u00fcben. Du mu\u00dft durch deinen K\u00f6rper lernen. W\u00e4hrend du im Bestreben dich selbst zu schulen und zu vervollkommnen Schmerzen und Qualen erduldest, solltest du dir stets vor Augen halten: Wenn andere dazu in der Lage sind, kannst du es auch. Frage dich selbst: &#8222;Was h\u00e4lt mich auf? Was mache ich falsch? Fehlt irgendetwas bei meinem Herangehen?&#8220; Das hei\u00dft Ausbildung in den Kampfk\u00fcnsten.<\/p>\n<p>Wichtige Punkte, die uns von anderen gelehrt werden, geraten schnell in Vergessenheit, aber die Essenz durch pers\u00f6nliche M\u00fchen und Leiden erworbener Erkenntnisse werden nie vergessen werden. Ich glaube, da\u00df dies der Grund ist, warum die alten Kampfkunstmeister nur bereit waren jenen Sch\u00fclern ein Diplom zu verleihen und auch die letzten Geheimnisse ihrer Kunst zu enth\u00fcllen, deren Training fast unertr\u00e4glich hart und streng war, und sie so unmittelbar den Sinn des Budo erfahren lie\u00df.<\/p>\n<p>Drittens, wenn du eine neue Technik erlernst, \u00fcbe sie ernsthaft, bis du sie wirklich verstanden hast. Versuche nicht, alles auf einmal zu begreifen. \u00dcbe sorgf\u00e4ltig. Karate beinhaltet viele Techniken und Kata. Verfalle nicht dem Irrtum zu glauben, da\u00df du, weil es so viel zu lernen gibt, alles schnell auf die gleiche Art und Weise erlernen solltest. Ja f\u00fcr eine im Karate unbewanderte Person w\u00e4re es sogar g\u00e4nzlich unm\u00f6glich, ohne die Bedeutung der Kata oder der in ihnen enthaltenen Techniken zu kennen, alles im Ged\u00e4chtnis zu behalten. F\u00fcr sie w\u00e4re die Kata nichts weiter als ein zusammenhangloses Durcheinander von Techniken. Wenn man jede Bewegung und jede Technik unabh\u00e4ngig voneinander erlernt, k\u00f6nnte das Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr ausbleiben, wie die eine Kata mit der anderen Kata zusammenh\u00e4ngt und wie die Kata selbst Bewegungen und Techniken zusammenfassen. W\u00e4hrend man das eine lernt, vergi\u00dft man schon wieder das andere, die letztliche Belohnung w\u00e4re v\u00f6llige Verwirrung.<\/p>\n<p>Ein Sch\u00fcler, der auch nur in einer einzigen Technik gut bewandert ist, wird naturgem\u00e4\u00df entsprechende Punkte in anderen Techniken sehen. Ein Jodan Fauststo\u00df, ein Gedan Fauststo\u00df, ein gerader Fauststo\u00df und ein entgegengesetzter Fauststo\u00df sind im Wesentlichen gleich. Wenn man die paarunddrei\u00dfig Kata \u00fcberblickt, sollte man in der Lage sein zu verstehen, da\u00df sie eigentlich nichts weiter als die Variationen einer Handvoll Kata sind. Wenn du eine einzige Technik richtig verstanden hast, brauchst du nur noch die Ausf\u00fchrung einer Technik beobachten und ihre wesentlichen Punkte gesagt bekommen. Du wirst sie in relativ kurzer Zeit verstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Man erz\u00e4hlt sich folgende Geschichte \u00fcber einen bestimmten Gidayu Meister. Als er noch Sch\u00fcler war, und sich bem\u00fchte jene langen Erz\u00e4hlgeschichten singen zu lernen, hatte er einen \u00e4u\u00dferst strengen Lehrer, der ihm jahrelang nur eine bestimmte Passage aus dem Taikoki, ein Drama \u00fcber das Leben und Zeit von Toyotomi Hideyoshi, lehrte, und sich weigerte ihm irgendetwas anderes lehren. Hunderte Male am Tag, tagaus tagein, mu\u00dfte der Sch\u00fcler immer wieder denselben Auszug anstimmen, und jedesmal war seines Lehrers einzige Bemerkung dazu, &#8222;Nicht richtig.&#8220; Er erlaubte ihm nicht, mit der n\u00e4chsten Passage zu beginnen.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich gelangte der verbitterte Sch\u00fcler zu der \u00dcberzeugung, da\u00df er f\u00fcr diesen Beruf nicht geeignet war und lief mitten in der Nacht davon, um sein Gl\u00fcck in Edo, der Hauptstadt des Shogun&#8217;s, mit etwas zu versuchen, das ihm mehr liegt. Unterwegs, wollte es der Zufall, da\u00df er f\u00fcr die Nacht in ein Gasthaus in der Provinz Suruga (jetzt Pr\u00e4fektur Shizuoka) einkehrte, in dem sich eine Gruppe von Gidayu-Begeisterten f\u00fcr einen Amateur-Wettstreit versammelt hatte. Immer noch tief in der Kunst gefangen, die er so lange Zeit ge\u00fcbt hatte, konnte er dem Drang nicht widerstehen, sich an dem Wettstreit zu beteiligen. Obwohl er ein Au\u00dfenstehender war, ging er auf die B\u00fchne und rezitierte aus ganzem Herzen die einzige, ihm so gut gekannte Stelle. Als er endete, kam der alte Mann auf ihn zu, der den Wettbewerb ausgerichtet hatte. &#8222;Du meine G\u00fcte, das war wirklich gro\u00dfartig,&#8220; rief der Alte aus. &#8222;Ich w\u00fcrde gern Euren richtigen Namen erfahren. Wenn mich meine Augen und Ohren nicht t\u00e4uschen, mu\u00dft Ihr ein ber\u00fchmter Meister sein.&#8220;<\/p>\n<p>Dem ehemaligen Sch\u00fcler verschlug es ob soviel schmeichelhaften Lobes glatt die Sprache. Er kratzte sich am Kopf, und platzte dann heraus; &#8222;Nichts ist weiter von der Wahrheit entfernt als das. Ich bin doch ein offenkundiger Anf\u00e4nger. Ich mu\u00df gestehen, da\u00df ich nicht einmal die Passagen vor oder nach der Textstelle kenne, die ich gerade rezitiert habe.&#8220;<\/p>\n<p>Der alte Mann war au\u00dferordentlich \u00fcberrascht. &#8222;Ist das wahr? Aber Euer K\u00f6nnen ist dem der Bunraku Meister vergleichbar. Wer auf Erden war Euer Lehrer?&#8220;<\/p>\n<p>Der Sch\u00fcler erz\u00e4hlte nun \u00fcber die Strenge seiner Ausbildung und wie er letztendlich aufgegebenen hatte und davongelaufen war.<\/p>\n<p>Mit einem Seufzer sagte der alte Mann, &#8222;Da hast du einen schrecklichen Fehler begangen. Nur weil du das Gl\u00fcck hattest, unter so einem strengen Lehrer lernen zu d\u00fcrfen, war es dir verg\u00f6nnt, so viel in nur wenigen Jahren zu lernen. Folge meinem Rat: Kehre sofort zu deinem Lehrer zur\u00fcck, bitte ihn um Verzeihung, und nimm dein Studium wieder auf.&#8220;<\/p>\n<p>Die Worte des alten Mannes vernehmend, bemerkte der Sch\u00fcler unversehens seinen Fehler und ging zu seinem Lehrer zur\u00fcck. Schlie\u00dflich wurde er ein Meister seiner Kunst. Ich denke diese Geschichte handelt von keinem anderen als von Meister Koshiji, aber wer auch immer es war, sie wirft eine ganze Menge Punkte auf, \u00fcber die man einmal nachdenken sollte.<\/p>\n<p>Viertens, gib nicht vor, ein gro\u00dfer Meister zu sein und versuche nicht dein K\u00f6nnen nach au\u00dfen hin zu zeigen. Es ist albern, da\u00df viele derjenigen, die die Kampfk\u00fcnste aus\u00fcben, der Meinung sind, sie m\u00fc\u00dften damit protzen, Kampfk\u00fcnstler zu sein. Stelle dir einen Mann vor, mit hochgezogenen Schultern, die Ellbogen herumschwingend, wie er die Stra\u00dfe herunterstolziert als ob sie ihm allein geh\u00f6re, mit einem Gesichtsausdruck, der sagt, &#8222;Ich bin der gr\u00f6\u00dfte Held der je lebte.&#8220; Selbst wenn er das w\u00e4re, jemandes Achtung f\u00fcr ihn w\u00fcrde mindestens um die H\u00e4lfte sinken. Und wenn er andererseits kein Mann von gro\u00dfen F\u00e4higkeiten w\u00e4re, sondern nur ein Held in seiner Einbildung, die Lage w\u00e4re zu l\u00e4cherlich, um sie in Worte zu fassen.<\/p>\n<p>Aufzuschneiden oder anzugeben ist das f\u00fcr gew\u00f6hnlich auff\u00e4lligste an Neulingen. Indem sie auf diese Weise handeln, sch\u00e4digen sie das Ansehen derjenigen, die die Kampfk\u00fcnste seri\u00f6s aus\u00fcben. Dann gibt es noch jene, mit oberfl\u00e4chlichen Kenntnissen von ein oder zwei Karate Techniken, die ihre F\u00e4uste immer so halten, da\u00df andere auf ihre verh\u00e4rteten Fingerkn\u00f6chel aufmerksam werden m\u00fcssen, w\u00e4hrend sie sich ihren Weg durch das Gedr\u00e4nge bahnen, als ob sie sich mit Worten nach einem Kampfversessenen ums\u00e4hen.<\/p>\n<p><em>Aus: <a HREF=\"http:\/\/www.budo-shop.net\/_cgi-bin\/shop\/shop.pl?f=NR&amp;c=2080707&amp;t=ddetail&amp;pid=blbl\">Karate-do Nyumon<\/a> von Funakoshi Gichin<\/em><br \/>\nDieses Buch kann bei <a HREF=\"http:\/\/www.budoshop-online.com\/\">Budoshop-Online<\/a> bestellt werden. <a HREF=\"http:\/\/www.budo-shop.net\/_cgi-bin\/shop\/shop.pl?f=NR&amp;c=2080707&amp;t=ddetail&amp;pid=blbl\">Einfach hier klicken.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bevor ich auf die technischen Aspekte des Karate eingehe, m\u00f6chte ich dem Leser gern einige allgemeine Hinweise geben, wie man an die \u00dcbung herangehen sollte und einige Aussagen \u00fcber die Einstellung treffen, die man zum Karatetraining haben sollte. 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