{"id":1134,"date":"2008-02-26T09:23:39","date_gmt":"2008-02-26T08:23:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bushido-lubwart.de\/wordpress\/?page_id=1134"},"modified":"2008-02-26T09:23:39","modified_gmt":"2008-02-26T08:23:39","slug":"kraft-schlagwirkung-schnelligkeit","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.bushido-lubwart.de\/wordpress\/karate-and-more\/hintergrunde\/verschiedenes\/kraft-schlagwirkung-schnelligkeit\/","title":{"rendered":"Kraft \/ Schlagwirkung \/ Schnelligkeit"},"content":{"rendered":"<p>Die Frage, wie schnell, mit welcher (eigenen) Kraft man auf ein Ziel trifft ist die eine Seite. Ob man mit dieser Schlagkraft auf Energie \u00fcbertragen kann, ist eine ganz andere Frage.<\/p>\n<p>Aber anders als hier einige meinen, es handelt sich um rein physikalische Gesetze, die hier ein Rolle spielen. Man sollte in diesem Zusammenhang mal Sir Isaac Newton und seine Gesetze der Bewegung ein wenig studieren, dann wird man das eine oder andere besser verstehen.<\/p>\n<p>Die Kraft, mit der meine Faust auf Ziel auftrifft, muss durch meinen K\u00f6rper auch absorbiert werden. Das hei\u00dft: Ich kann mit 100 kg Schlagkraft auf das Ziel treffen, doch genau diese Kraft kommt auch wieder in meine Faust zur\u00fcck (Actio = Reactio). Das bedeutet f\u00fcr die Praxis: Ohne einen festen Stand, ohne eine komplette Ganzk\u00f6rperspannung, wird mich meine einige Schlagenergie zerst\u00f6ren, denn die Kraft kommt vom Ziel durch meine Faust zu mir zur\u00fcck und nur wenn ich diese absorbieren kann, ist es m\u00f6glich, die Kraft auf das Ziel zu \u00fcbertragen und meine Kraft auf das Ziel wirken zu lassen.<\/p>\n<p>Insofern kann ich die Bemerkung zum &#8222;Leichtkontaktkarate&#8220; weiter vorn im Thread nicht ganz verstehen. Ohne Kime gibt es keine Technik und nach meinem Verst\u00e4ndnis ohne Technik auch keine Wertung. Wertungen gibt es nur f\u00fcr effektive Techniken &#8230; Es ist sehr bedauerlich, wenn die Technik zugunsten einer vermeintlich besseren Bewertung aufgegeben wird.<\/p>\n<p>Was die Schnelligkeit angeht, so muss unterschieden werden zwischen der Schnelligkeit der Faust und der Schnelligkeit des Fauststo\u00dfes aus der Bewegung.<\/p>\n<p>Ich teile die Auffassung nicht, dass eine \u00dcbung an Sands\u00e4cken die Schnelligkeit der Technik zu verbessern hilft. Die Nutzung Thera- oder Deuserb\u00e4ndern schon eher. Vom Einsatz von sog. &#8222;Armmanschetten&#8220;, also Gewichten an Armen oder Beinen rate ich dringend aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden ab. Durch die Gewichte ist die Tr\u00e4gheit beim Fauststo\u00df oder Fu\u00dfsto\u00df ungemein gr\u00f6\u00dfer als ohne Gewichte und Verletzungen der Ellbogen bzw. Kniegelenke die unausweichliche Folge.<\/p>\n<p>Eine \u00dcbung im Kiba Dachi (meinetwegen auch Zenkutsu Dachi) mit Renzuki od. Choku Zuki od. Kizami Zuki \/ Gyaku Zuki usw. f\u00f6rdert die Schnelligkeit der Faust. Wichtiger ist jedoch, die Schnelligkeit der gro\u00dfen und langsamen Muskelgruppen zu trainieren und das sind die Beine und die Rumpfmuskulatur. Insofern sollte mehr Augenmerk auf \u00dcbungen aus der Bewegung heraus gelegt werden. Da die Rumpfmuskulatur die langsamste ist, muss die Bewegung dort beginnen (K\u00f6rperverschiebung). Die Ferse des hinteren Beines gibt die &#8222;Initialz\u00fcndung&#8220;, sie st\u00f6\u00dft gegen den Boden, um den K\u00f6rper nach vorn zu verschieben (Reaktionskraft). Diese Kraft wird \u00fcber das Bein in die H\u00fcfte geleitet. Die H\u00fcfte steuert die Bewegung(srichtung) und verschiebt den K\u00f6rperschwerpunkt nach vorn, wobei das Standbein die Bewegungsenergie verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Ebenso wichtig wie der schnelle kr\u00e4ftige Start der Bewegung und der Verschiebung der H\u00fcfte ist am Ende der Bewegung das vordere Bein, welches die gesamte Bewegungsenergie abfangen muss, um eine effektive Technik aus einem festen Stand heraus zu erm\u00f6glichen. In diesem Zusammenhang ist die korrekte Stellung des hinteren Beines wiederum von gro\u00dfer Bedeutung. Die Kraft mit der das Ziel getroffen wird, kommt direkt in unseren K\u00f6rper zur\u00fcck. jegliche Kraft geht immer den Weg des geringsten Widerstandes. Wenn keine perfekte K\u00f6rperspannung vorhanden ist, wird die auf das Ziel einwirkende Kraft drastisch reduziert (im Schnitt 50 Prozent und mehr). Eine hochgezogene Schulter, ein nicht fest aufgesetztes hinteres Bein, eine mangelnde K\u00f6rperspannung, ein falscher Trefferwinkel &#8211; all dies sind Faktoren, die die Wirkung der Technik beeinflussen.<\/p>\n<p>In Bezug auf den Oi Zuki ist die Faust der letzte Teil des K\u00f6rpers, der die Bewegung \u00fcbernimmt. Beginnend mit den gro\u00dfen, langsamen Muskelgruppen, steigen die schnellen, kleinen Muskelgruppen erst zuletzt in die Bewegung ein.<\/p>\n<p>Auch die K\u00f6rperspannung im Endpunkt der Technik hat Einfluss auf die tats\u00e4chlich \u00fcbertragene Kraft. Werden die Muskeln in der falschen Reihenfolge angespannt, ist keine effektive Technik mehr m\u00f6glich, weil beispielsweise die Stellung die Armtechnik mangels korrekter Spannung nicht mehr unterst\u00fctzen kann.<\/p>\n<p>Im Beginn der Bewegung m\u00fcssen alle Muskeln ganz locker sein. Je entspannter desto besser, w\u00e4hrend im Endpunkt alle Muskeln, beginnend von den F\u00fc\u00dfen, \u00fcber Beine, H\u00fcften, Bauch und R\u00fccken hin in die Arm angespannt sein m\u00fcssen. Je perfekter die Entspannung am Beginn und je kompletter die Anspannung am Ende, desto st\u00e4rker die Technik.<\/p>\n<p>All dies sind Punkte, die der Trainer \/ Lehrer wissen m\u00fcsste, um sie entsprechend umzusetzen. Frage am besten Deinen Trainer, denn wie Funakoshi Sensei einmal sagte &#8222;Du kannst nicht mit Worten \u00fcben&#8220;<\/p>\n<p>Eine korrekte Technik, eine starke Technik, eine schnelle Technik entwickelt man nur durch fortgesetzte \u00dcbung.<\/p>\n<p>Rein k\u00f6rperlich gesehen sprechen wir immer gern von der Automatisierung von Bewegungen. Bis eine Bewegung wirklich automatisiert ist, brauchen wir &#8211; und das ist wissenschaftlich erwiesen &#8211; mindestens 70.000 Wiederholungen. Nun frage sich jeder selbst, wie viele Wiederholungen eines Oi Zuki er bisher in seinem Karateleben gemacht hat. Es kommt selten eine \u00dcbungsstunde zusammen, in der tats\u00e4chlich einmal 1000 Oi Zuki ge\u00fcbt werden &#8230;<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig davon kann man ja gut und gerne auch 1000 Oi Zuki \u00fcben. So lange sie nicht richtig ausgef\u00fchrt werden, ist die \u00dcbung immer noch wertlos.<\/p>\n<p>Ma\u00dfgeblich ist die nat\u00fcrliche Veranlagung, d.h. das Verh\u00e4ltnis der roten zu den wei\u00dfen Muskelfasern.<\/p>\n<p>Meint ihr, dass ein guter 100 Meter Sprinter einem guten 10000 Meter L\u00e4ufer in der Schnelligkeit seiner Schl\u00e4ge normalerweise \u00fcberlegen ist?<\/p>\n<p>Man kann nat\u00fcrlich nicht \u00c4pfel mit Birnen vergleichen. Denn Schnelligkeit bei Schl\u00e4gen trainiert kein L\u00e4ufer. Allerdings wird der 100-Meter L\u00e4ufer den Ausdauerl\u00e4ufer auf dessen Distanz unter normalen Bedingungen niemals schlagen k\u00f6nnen, ebensowenig wie dies im umgekehrten Fall eintreten wird.<\/p>\n<p>Mit entsprechendem Training wird sich entsprechend den nat\u00fcrlichen Voraussetzungen zeigen, dass der Sprinter auch in Bezug auf die Schnelligkeit bei Schl\u00e4gen gewissen Vorteile mitbringt. ABER: Durch intensives Training k\u00f6nnen diese nat\u00fcrlichen Vorteile zu einem gewissen Grad ausgeglichen werden. Voraussetzung: Beide trainieren gleich und im selben Umfang. Dann wird erneut der Sprinter in Bezug auf die Schnelligkeit aufgrund seiner individuell besseren physischen Voraussetzungen besser sein als der Langstreckenl\u00e4ufer.<\/p>\n<p>Ein Wolf wird nun einmal niemals ein Lamm werden und umgekehrt. Die physischen Voraussetzungen k\u00f6nnen wir nicht ver\u00e4ndern sondern nur in gewissen engen Grenzen in die eine oder andere Richtung beeinflussen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Frage, wie schnell, mit welcher (eigenen) Kraft man auf ein Ziel trifft ist die eine Seite. Ob man mit dieser Schlagkraft auf Energie \u00fcbertragen kann, ist eine ganz andere Frage. Aber anders als hier einige meinen, es handelt sich um rein physikalische Gesetze, die hier ein Rolle spielen. 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