{"id":272,"date":"1998-09-15T07:37:26","date_gmt":"1998-09-15T06:37:26","guid":{"rendered":"http:\/\/lubwart.de\/wordpress\/?p=272"},"modified":"1998-09-15T07:37:26","modified_gmt":"1998-09-15T06:37:26","slug":"gasshuku-in-wien-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bushido-lubwart.de\/wordpress\/gasshuku-in-wien-2\/","title":{"rendered":"Gasshuku in Wien"},"content":{"rendered":"<p>Wie schon seit zehn Jahren fand auch in diesem Jahr wieder in der ersten vollen Ferienwoche das zur Tradition gewordene Sommertrainingslager mit Sensei Tanaka (8. Dan) in Wien statt. Einst wurde dieses Sommerlager von Sensei Fujinaga (er war fr\u00fcher JKA-Instructor f\u00fcr \u00d6sterreich) und Sensei Tanaka ins Leben gerufen, um die Grundlagen des Karate zu festigen und zu verfeinern.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nMatsumae Budo-Center In diesem zur Tokai-Universit\u00e4t Wien geh\u00f6rige Geb\u00e4ude fanden die Sommer-Lehrg\u00e4nge statt<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<p>In seiner Er\u00f6ffnungsansprache zu Beginn des Gashuku erinnerte Sensei Tanaka hieran. Er teilte uns mit, da\u00df er sich nach dem Tod von Sensei Fujinaga auch die Frage gestellt habe, ob er die Tradition der Sommerlager einstellen solle. Er kam allerdings zu dem Schlu\u00df, da\u00df dies nicht der richtige Weg sein k\u00f6nne. Karate sei schlie\u00dflich mehr als nur Schlagen und Treten, sei in erster Linie Budo, was bedeute, da\u00df man nicht f\u00fcr irgendjemanden, sondern f\u00fcr sich selbst \u00fcbe&#8230;<\/p>\n<p>Marco und ich machten uns also am Sonntag auf den Weg nach Wien. Nach gut elf Stunden Fahrt kamen wir am sp\u00e4ten Nachmittag in der \u00f6sterreichischen Hauptstadt an, wo wir zun\u00e4chst erst einmal bei meiner Tante im Garten unser Zelt auf, a\u00dfen zu abend und schauten uns noch ein wenig in der Umgebung um. Doch dann legten wir uns schlie\u00dflich schlafen, denn die Fahrt hatte uns schon ein wenig mitgenommen.<\/p>\n<p>Der Montag war noch frei, also beschlossen wir, uns in der City umzuschauen. So besichtigten wir beispielsweise die Wiener Hofburg, die lange Jahre hindurch die Residenz der Habsburger war, den weltber\u00fchmten Stephansdom, die wohl teuersten Einkaufsmeilen Wiens, die K\u00e4rnter Stra\u00dfe und den Graben&#8230; Danach machten wir uns auf den Weg zum Prater, dem Verg\u00fcngungspark Wiens. Da die Sonne jedoch unbarmherzig herniederstrahlte, gingen wir beizeiten zur\u00fcck, um noch ein wenig zu baden. Als sich am Abend die Temperaturen etwas ertr\u00e4glicher waren, gingen wir noch einmal auf den Prater, um die zahlreichen Attraktionen zu besuchen und auch auszuprobieren.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen machten wir uns auf den Weg zum Matsumae-Budocenter, wo das Training stattfinden sollte. Nachdem wir uns an diesem (wie \u00fcbrigens auch an den anderen Tagen) erst einmal verfahren hatten, trafen wir dennoch rechtzeitig ein, um nicht zu sp\u00e4t zum Training zu erscheinen. Es war ein sch\u00f6nes Gef\u00fchl wieder an jenem Ort zu sein, wo wir bereits einmal so sch\u00f6ne, wenn auch sehr anstrengende, Trainingseinheiten erleben durften. Im Budocenter sp\u00fcrt man tats\u00e4chlich den Geist des Budo, denn alle, die hierher kommen, wissen, da\u00df das Training sehr hart ist, aber gerade diese Einstellung eint sie. Hier kann man die Definition des Begriffs &#8222;Dojo&#8220; erfahren: Das Dojo ist ein Ort, an dem alle das gleiche wollen. Die Trainingsdisziplin ist einfach wunderbar. Alle geben sich die gr\u00f6\u00dfte M\u00fche, niemand quatscht, niemand macht w\u00e4hrend des Trainings irgendwelche Bemerkungen&#8230;<\/p>\n<p>Im Dojo waren bereits eine gro\u00dfe Zahl Karateka versammelt neben vielen Bekannten aus Berlin und von fr\u00fcheren Lehrg\u00e4ngen, waren auch einige wenige unbekannte Gesichter zu sehen. Knapp 90 Karateka, vornehmlich aus Deutschland, \u00d6sterreich und Ungarn waren angereist, um hier eine knappe Woche zu trainieren. Neben ca. 20 Gelb-, Orange-, Gr\u00fcn- und Blaugurten verteilte sich die \u00fcbrige Zahl der Trainingsteilnehmer auf die Braun- und Schwarzgurte.<\/p>\n<p>Sensei Tanaka hatte f\u00fcr dieses Gashuku den Fauststo\u00df zum Inhalt gemacht. So wurde Oi Zuki und Gyaku Zuki ge\u00fcbt, wobei Sensei Tanaka immer wieder andere Schwerpunkte setzte. Im Anschlu\u00df hie\u00df es: Umsetzen des Erlernten am Partner. Bereits nach der ersten Trainingseinheit \u00e4u\u00dferten sich einige Teilnehmer, da\u00df dieses Training doch erheblich anstrengender sei, als der letzte Lehrgang mit Sensei Tanaka in Pl\u00f6n, wobei die erste Trainingseinheit nun wirklich noch recht human verlief. Anders am Nachmittag: Sensei Tanaka kam auf die Idee, Gohon Kumite zu \u00fcben. Nachdem sich die Karateka zun\u00e4chst selbst recht stark verausgabt hatten, mu\u00dften alle Dantr\u00e4ger ab 2. Dan nach vorn (es waren ungef\u00e4hr zwanzig) und diese wurden dann von den \u00fcbrigen Karateka unabl\u00e4ssig angegriffen. Dies dauerte so ca. zwanzig Minuten an und danach mu\u00dften die Dantr\u00e4ger noch gegeneinander im Gohon Kumite antreten. Sie hatten es wirklich schwer und einige konnten sich kaum noch auf den Beinen halten, aber Sensei Tanaka lie\u00df keine Pausen zu, sondern forderte sie auf, sich noch intensiver zu bem\u00fchen, schlie\u00dflich h\u00e4tte sie als Trainer Vorbildwirkung und m\u00fc\u00dften daher mit gutem Beispiel vorangehen. Im Anschlu\u00df waren dann auch die \u00fcbrigen Lehrgangsteilnehmer noch einmal dran, w\u00e4hrend sich die Dantr\u00e4ger jetzt erst einmal ausruhen konnten.<\/p>\n<p>Damit ging der erste Lehrgangstag zu ende und wir fuhren zum Schlo\u00df Sch\u00f6nbrunn, um uns den weltber\u00fchmten Tierpark Wiens (der \u00fcbrigens der \u00e4lteste Europas ist) zu besuchen.<\/p>\n<p>F\u00fcr den n\u00e4chsten Tag hatte ich schon die Bef\u00fcrchtung, da\u00df das Training so fortgesetzt werden w\u00fcrde, wie es am Tag zuvor geendet hatte, aber Sensei Tanaka lie\u00df zu meinem gro\u00dfen Erstaunen Kata \u00fcben, wobei er sehr gro\u00dfen Wert auf die tiefe H\u00fcftstellung, dem Arbeiten aus der H\u00fcfte und vor allem der ruhigen und gleichm\u00e4\u00dfigen Ausf\u00fchrung der Kata unter Beachtung des Timings und dem richtigen Kampfgeist legte. Dies schien zun\u00e4chst noch recht einfach. Zum Ende des Trainings lie\u00df Sensei Tanaka alle Anwesenden die Heian Kata und Tekki Shodan sowie Bassai Dai laufen und verk\u00fcndete, da\u00df danach das Training vor\u00fcber sei. Entsprechend beeilten sich alle, um fertig zu werden. Sensei Tanaka teilte uns darauf mit, da\u00df wir viel zu schnell ge\u00fcbt h\u00e4tten, denn f\u00fcr die Kata h\u00e4tten wir insgesamt 10 Minuten Zeit gehabt. Mit Ausnahme der Heian Shodan, die ca. 45 Sekunden dauere, br\u00e4uchte man f\u00fcr alle anderen Kata ungef\u00e4hr eine Minute, f\u00fcr Bassai Dai sogar anderthalb Minuten. Am Nachmittag wurde dann noch einmal Kata ge\u00fcbt, wobei gr\u00f6\u00dftes Augenmerk auf die richtige Einstellung beim Laufen der Kata gelegt wurde.<\/p>\n<p>Am Abend diesen Tages gingen wir noch einmal auf den Prater, um die \u00fcbrigen Attraktionen auszuprobieren, die wir am Montag noch ausgespart hatten.<\/p>\n<p>Der Donnerstag sollte dann dem bisherigen Trainingslager die Krone aufsetzen. Nach einer kurzen Erw\u00e4rmung ging es n\u00e4mlich schon richtig zur Sache: Gohon Kumite bis zum Umfallen! Aber das sollte es noch l\u00e4ngst nicht gewesen sein. Zwar hatte der Dolmetscher zun\u00e4chst etwas Schwierigkeiten, die Trainingsanweisung des Meisters richtig r\u00fcberzubringen, so da\u00df Sensei Tanaka schlie\u00dflich pers\u00f6nlich eingreifen und die \u00dcbersetzung richtig stellen mu\u00dfte. Die uns jetzt erwartende \u00dcbung bestand aus eigentlich nur drei Techniken: Schritt vor mit Oi Zuki Jodan &#8211; Schritt zur\u00fcck mit Age Uke \/ Gyaku Zuki bzw. f\u00fcr den Verteidiger Schritt zur\u00fcck<\/p>\n<p>Age Uke \/ Gyaku Zuki &#8211; Schritt vor Oi Zuki Jodan. Nun ja &#8211; ist doch gar nicht so schwer m\u00f6gt Ihr denken, aber das beste kommt ja erst noch: Jeder Trainingsteilnehmer durfte einmal bis zehn z\u00e4hlen, das hei\u00dft demnach, da\u00df diese Kombinationen sowohl links als auch rechts ca. 450 Mal ge\u00fcbt wurden. Nach diesem Training konnte sich kaum noch jemand auf den Beinen halten. Dock Sensei Tanaka beendete das Training auf seine gewohnt freundliche Art mit einer kurzen Bemerkung: &#8222;Have a nice day!&#8220; (Sch\u00f6nen Tag noch&#8230;)<\/p>\n<p>Marco und ich wir machten uns an diesem Tag auf in die n\u00e4here Umgebung Wiens. In M\u00f6dling besichtigten wir die Stammburg der Liechtensteiner (der Regenten des gleichnamigen F\u00fcrstentums) und fuhren dann nach Maria-Enzersdorf, wo sich der gr\u00f6\u00dfte unterirdische See Europas befindet. Diesen befuhren wir dann im Rahmen einer F\u00fchrung mit einem Boot &#8211; einfach toll.<\/p>\n<p>Am Freitag sollten dann noch einmal zwei Trainingseinheiten auf dem Programm stehen, aber gleich zu Beginn des Trainings teilte uns der Dolmetscher mit, da\u00df das zweite Training aufgrund der bevorstehenden Dan-Pr\u00fcfungen entfallen werde&#8230; Wir hatten an diesem Freitag kaum das Budocenter betreten, als wir auch schon eine freudige \u00dcberraschung erleben konnten: J\u00f6rg Kohl war eingetroffen. Er wollte es sich nicht nehmen lassen, seinen zahlreichen Sch\u00fctzlingen bei ihren bevorstehenden Pr\u00fcfungen wenigstens moralischen Beistand zu leisten.<\/p>\n<p>Das Training selbst gestaltete sich am Freitag durchaus ruhig. Sensei Tanaka legte sehr gro\u00dfen Wert auf die Feinheiten bei der Ausf\u00fchrung der Techniken, so da\u00df zahlreiche Erkl\u00e4rungen folgten. Um zw\u00f6lf Uhr dann begannen die Pr\u00fcfungen. Einige Kyu-Pr\u00fcfungen und dann wohl so um die zwanzig Dan-Pr\u00fcfungen, darunter auch vier zum zweiten Dan. Alle Kandidaten bestanden ihre Pr\u00fcfungen mit Bravour. Ein Zeichen der guten Ausbildung durch ihre Lehrer.<\/p>\nngg_shortcode_1_placeholder\n<p>Da der Nachmittag noch einmal frei war, fuhren wir noch zum Leopoldsberg und zum Kahlenberg, jenen H\u00f6hen, von denen aus einst der polnische K\u00f6nig zusammen mit dem deutschen Kaiser und zahlreichen anderen F\u00fcrsten die Belagerung Wiens durch die T\u00fcrken beendete. Damit war nat\u00fcrlich unser sch\u00f6ner Wien-Aufenthalt wieder zu ende. Zusammenfassend kann gesagt werden, da\u00df wir durch diesen Lehrgang wieder soviel neues mit nach hause genommen und dazu gelernt haben, da\u00df es nun erst einmal einige Monate Trainings bedarf, um alles umzusetzen.<\/p>\n<p>Mal sehen &#8211; aber vielleicht sind wir ja n\u00e4chstes Jahr wieder dabei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie schon seit zehn Jahren fand auch in diesem Jahr wieder in der ersten vollen Ferienwoche das zur Tradition gewordene Sommertrainingslager mit Sensei Tanaka (8. Dan) in Wien statt. 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