{"id":253,"date":"1998-03-15T07:07:34","date_gmt":"1998-03-15T06:07:34","guid":{"rendered":"http:\/\/lubwart.de\/wordpress\/?p=253"},"modified":"2022-06-16T07:23:39","modified_gmt":"2022-06-16T06:23:39","slug":"kritik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bushido-lubwart.de\/wordpress\/kritik\/","title":{"rendered":"Kritik"},"content":{"rendered":"\n<p>Karate muss man leben! Dies ist ein Satz, den man nicht nur in der letzten Ausgabe dieser Zeitung herauslesen kann, sondern eine Erkenntnis, die ich nach 6 Jahren Karatetraining auch best\u00e4tigen muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch bedeutet Karate zu leben, das Training aufzugeben?<br><br>In diesem Zusammenhang richtet sich meine Kritik besonders an das Training f\u00fcr \u00dcbungsleiter und Fortgeschrittene, welches f\u00fcr gew\u00f6hnlich jeden Freitag stattfindet. Ich finde das hier vorherrschende Trainingsniveau offen gesagt erschreckend!<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Da stellt sich nat\u00fcrlich die Frage nach dem Warum.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun, zun\u00e4chst m\u00f6chte ich festhalten, dass Basketball absolut nicht mit Karate zu tun hat. Die Erkl\u00e4rung, dies sei nur zu Erw\u00e4rmung st\u00f6\u00dft bei mir auf absolutes Unverst\u00e4ndnis. Denn nach 30 &#8211; 60 min\u00fctigem Spielen ist man nicht nur erw\u00e4rmt, sondern neigt meistens schon zum &#8222;Kochen&#8220; und ist noch dazu demotiviert.<\/p>\n\n\n\n<p>Da die meisten unter uns das Spiel nicht missen m\u00f6chten, k\u00f6nnte man es doch wenigstens ans Trainingsende verlagern.<\/p>\n\n\n\n<p>Des weiteren ist festzustellen, dass die Trainingszeit ab und zu, einfach mal so, um eine halbe Stunde gek\u00fcrzt wird. Kurz nachgerechnet: 1,5 h Training &#8211; 0,5 h Spiel &#8211; 0,5 h Trainingsverk\u00fcrzung &#8211; eine viertel Stunde Theorie = eine viertel Stunde reelles Training.<\/p>\n\n\n\n<p>Gibt das nicht zu denken?<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem m\u00f6chte ich noch einen, f\u00fcr mich sehr wichtigen Punkt ansprechen. H\u00f6rt man den endlosen Ausf\u00fchrungen des Trainers genauer zu, dann erhalte ich unweigerlich den Eindruck, dass wir mal ebenso beim Training reingeschaut haben, da wir ja nichts besseres mit unserer Zeit anzufangen wussten. So als ob wir nicht viel vom Karate halten w\u00fcrden. Aber nun mal ehrlich Ralph!<\/p>\n\n\n\n<p>Wir trainieren nicht Karate, weil wir Dir oder einem Anderen einen Gefallen schuldig sind, sondern aus \u00dcberzeugung. Sicher l\u00e4sst die Trainingsmoral unter den Fortgeschrittenen sehr zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. Aber an Stelle von indirekten Schuldzuweisungen und konzeptlosen Trainingsstunden, sollte meiner Meinung nach endlich wieder ein Training durchgef\u00fchrt werden, das mehr Wert auf die Festigung der Techniken legt, die man von uns voraussetzt, und das auf unseren derzeitigen Leistungen aufbaut.<\/p>\n\n\n\n<p>Ach ja, der Dienstag! Von einem \u00dcbungsleiter kann doch sicher erwarten etwas Motivation zu erhalten. Bei allem Respekt, H\u00e4ndchen halten und Lieder singen, motiviert mich mit Sicherheit nicht zum w\u00f6chentlichen Training.<\/p>\n\n\n\n<p>E. Beckstein<\/p>\n\n\n\n<p>Was ist dazu zu sagen?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wollte die hier erhobenen Vorw\u00fcrfe zun\u00e4chst unkommentiert ver\u00f6ffentlichen, habe mich jedoch dazu entschlossen, kurz zu einigen Punkten Stellung zu nehmen, da ich glaube, dass eine blo\u00dfe Ver\u00f6ffentlichung leicht zu Missverst\u00e4ndnissen f\u00fchren k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich gebe Enrico v\u00f6llig recht, dass das Trainingsniveau unter den Fortgeschrittenen (besonders in der Freitagstrainingseinheit) erschreckend ist und das das Training durchaus keinem logischen Konzept folgt. Doch worin liegen die Gr\u00fcnde? Nur etwa alle vierzehn Tage sind auch tats\u00e4chlich alle \u00dcbenden vollz\u00e4hlig, d.h. nur alle vierzehn Tage k\u00f6nnte man ein logisches, auf den vorherigen Trainingsstunden aufbauendes Training durchf\u00fchren. Nun liegt hier jedoch ein weiteres Problem: Wenn man nur alle vierzehn Tage versucht zu trainieren und ein entsprechendes Trainingskonzept zu entwerfen, so w\u00e4re dieses Training von vornherein zum Scheitern verurteilt, denn ein solch langer Zeitraum von zwei Wochen dazwischen ist einfach zu viel.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sehe meine Hauptaufgabe vor diesem Hintergrund nach wie vor darin, diverse Trainingsm\u00f6glichkeiten aufzuzeigen und zu vermitteln, damit dem Einzelnen die M\u00f6glichkeit gegeben ist, daheim weiter zu \u00fcben. Die alten Meister haben schon immer betont, dass f\u00fcr Trainingsfortschritte wenigstens zweimal die Woche Training erforderlich ist. Die moderne Sportwissenschaft hat dies best\u00e4tigt und geht sogar noch weiter: Man sagt, dass ein einmaliges w\u00f6chentliches Training keinen Erfolg bringt. Zweimal w\u00f6chentliches Training kann m\u00e4\u00dfige Fortschritte hervorbringen, erst ab dreimal w\u00f6chentlichem Training sind tats\u00e4chliche Fortschritte zu verzeichnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade hier liegt dann ein weiterer Kritikpunkt. Mir wird vorgeworfen, da\u00df ich vor dem Hintergrund des seltenen Trainingsbesuchs immer wieder darauf hinweise, da\u00df auch Gichin Funakoshi betont hat, da\u00df man eigentlich immer und \u00fcberall trainieren kann, wenn man nur will. Nur zehn Minuten Training pro Tag k\u00f6nnen, so Gichin Funakoshi, zu beachtlichen Trainingsfortschritten f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>In Bezug auf das Basketballspielen hat Enrico leider recht. Doch eine Gegenfrage sei dennoch gestattet: Warum eine klassische Erw\u00e4rmung durchf\u00fchren, wenn man durch Sportspiel auf angenehmere Art und Weise das Resultat erreichen kann? Wie sehr man sich verausgabt liegt letztlich an einem jedem selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch weiter zu dem Punkt der Trainingsverk\u00fcrzungen. Die Aussage, dass das Training am Freitag einfach nur mal so um eine halbe Stunde verk\u00fcrzt wird, kann leicht den Anschein erwecken, dass ich private Interessen vorschiebe und \u00fcber die des Vereins stelle. Das dem nicht so ist, kann jeder, der mich und mein Privatleben kennt, wohl mehr als deutlich best\u00e4tigen. Ich bin wirklich froh, wenn ich meinen Urlaub oder meine sonstige Freizeit mal nicht f\u00fcr den Verein oder f\u00fcr Trainingszwecke opfern muss, sondern auch einmal f\u00fcr mich selbst ein paar Minuten Zeit habe, wozu es leider nur allzu selten kommt. Trainingsverk\u00fcrzungen am Freitag kommen meist nur dann zustande, wenn am Freitagabend eine Vorstandssitzung angesetzt ist. Auch die Vorstandsmitglieder sind nur Menschen. Ich selbst bin nat\u00fcrlich als \u00dcbungsleiter und Vorsitzender doppelt in der Pflicht. Ich glaube, dass man mir und auch den \u00fcbrigen Vorstandsmitgliedern wohl nicht abverlangen kann, dass sie die erforderlichen Sitzungen abends sp\u00e4ter beginnen und die Versammlungen dann meist erst sp\u00e4t in der Nacht enden. Auch sie haben ein Recht, die Sitzung zu einer halbwegs vertretbaren Zeit beenden zu d\u00fcrfen. Zudem ist zu ber\u00fccksichtigen, dass an derartigen Tagen meist die Erw\u00e4rmung ganz wegf\u00e4llt, so dass das Training g\u00e4nzlich im Vordergrund steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Weiter im Text. Ich erwarte von niemandem der gew\u00f6hnlichen Trainingsteilnehmer, dass sie mir zuliebe Karate aus\u00fcben sollen, oder Dankbarkeit, da ich meine, dass sie mir einen Gefallen schuldig sind. Ich gehe vielmehr davon aus, dass diejenigen, die zum Training kommen auch Karate lernen wollen, weil sie es aus ihrem tiefsten Inneren heraus wollen. Das einzige, was ich wohl &#8211; wie ich glaube &#8211; zu recht erwarten kann, ist das st\u00e4ndige Sich-Bem\u00fchen um Fortschritte. Hierauf weise ich von Zeit zu Zeit hin, soweit ist dies richtig. Das hierin m\u00f6glichweise indirekte Schuldzuweisungen liegen k\u00f6nnten mag sein &#8211; doch: Jeder zieht sich den Schuh an, der ihm passt. Es widerstrebt mir allerdings, immer und immer wieder auf die gleichen Fehler hinzuweisen, um dann wieder feststellen zu m\u00fcssen, dass die Fehler noch immer nicht korrigiert wurden; in einigen F\u00e4llen h\u00f6re ich sogar, nachdem ich bereits zum x-ten Mal die richtige Ausf\u00fchrung einer Technik oder Kata erkl\u00e4rt habe: &#8218;Also das h\u00f6re ich heute zum ersten Mal&#8216; oder &#8218;Das hast du aber noch nicht gesagt&#8217;&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Was hei\u00dft au\u00dferdem konzeptloses Training? Ein konzeptloses Training ist ein Training, da\u00df letztlich keinem Ziel folgt. Da es unm\u00f6glich ist, ein auf vorhergehende \u00dcbungsstunden aufbauendes Training durchzuf\u00fchren, liegt der Schwerpunkt der Trainingseinheiten am Freitag vor allem in der Fehlerkorrektur und Verfeinerung von Techniken, die ich im Laufe der Woche w\u00e4hrend des normalen Trainings habe \u00fcben lassen. \u00dcbungsleiter m\u00fcssen in der Lage sein, Fehler zu erkennen, zu vermeiden und zu korrigieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch zu dem letzten angesprochenen m\u00f6chte ich Stellung beziehen. Ich habe tats\u00e4chlich in einer Dienstags-Trainingseinheit H\u00e4ndchen halten und Liedchen singen lassen. Doch ist &#8222;Laurentia&#8220; als \u00dcbung zum Ausf\u00fchren von Kniebeugen abzulehnen? Ich glaube wohl Nein. Ganz besonders nicht vor dem Hintergrund, dass gerade am Dienstag die Altersgruppe der Sieben bis Zw\u00f6lfj\u00e4hrigen dominiert. Mit einem derartigen Spiel kann man meines Erachtens weit mehr erreichen als mit sturem Abz\u00e4hlen von Kniebeugen. Ich bin davon \u00fcberzeugt, dass hier jeder mitmacht. Wenn ich aber den Kleinen sage, wir machen jetzt 63 Kniebeuge &#8211; Ob sie die auch alle schaffen?<\/p>\n\n\n\n<p>Davon abgesehen, spricht die Zahl der Trainingsteilnehmer und die Zahl der Neueintritte ein wohl mehr als deutliche Sprache! Denn wem etwas nicht gef\u00e4llt, der wird wohl kaum gern zum Training kommen und bei der Durchf\u00fchrung solcher &#8218;langweiliger Spiele&#8216; auch noch lachen. Ich glaube, man mu\u00df einfach mehr differenzieren und auf die jeweilige Altersgruppe achten.<\/p>\n\n\n\n<p>Im \u00fcbrigen bin ich nach wie vor ehrlich gemeinter Kritik gegen\u00fcber offen. Nur wenn man offen \u00fcber Probleme spricht, kann man Verst\u00e4ndigungsprobleme ausr\u00e4umen oder sich um Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die eine oder andere Handlungsweise bem\u00fchen. Nur so kommt man voran!<\/p>\n\n\n\n<p>Ralph P. G\u00f6rlach<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Karate muss man leben! 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