{"id":115,"date":"1995-07-15T14:31:39","date_gmt":"1995-07-15T13:31:39","guid":{"rendered":"http:\/\/lubwart.de\/wordpress\/?p=115"},"modified":"1995-07-15T14:31:39","modified_gmt":"1995-07-15T13:31:39","slug":"kyudo","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bushido-lubwart.de\/wordpress\/kyudo\/","title":{"rendered":"Kyudo"},"content":{"rendered":"<p>Kyudo kommt aus dem Japanischen und ist die Kunst des Bogenschie\u00dfens. Dabei wird Kyudo nicht als Sport im eigentlichen Sinne verstanden, sondern mehr als Kunst der Selbstversunkenheit. So mu\u00df der Sch\u00fcler lernen, sich selbst v\u00f6llig aufzugeben und in den Zustand der &#8222;Ich-Losigkeit&#8220; zu gelangen. Sind K\u00f6rper und Geist darauf eingestellt, trifft der Pfeil garantiert das Ziel.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Der Platz f\u00fcr den gro\u00dfen Wettkampf der Bogensch\u00fctzen ist fast leer. Gerade mal im Zielbereich, wo f\u00fcr die Meister Papierscheiben und f\u00fcr die Anf\u00e4nger Strohtonnen aufgestellt sind, verstreuen ein paar junge Arbeiter frischen Sand. Der nicht eingeweihte Zuschauer dieses alten japanischen Spektakels aber schaut nerv\u00f6s auf die Uhr und \u00e4rgert sich \u00fcber die Unp\u00fcnktlichkeit der Veranstalter. Doch der Wettkampf hat l\u00e4ngst begonnen! Die Bogensch\u00fctzen sitzen unter schattenspendenden B\u00e4umen, falten kleine Papierwinkel und spinnen Schn\u00fcre. Das soll alles B\u00f6se vom Platz vertreiben. Denn wie bei allen anderen traditionellen asiatischen Kampfk\u00fcnsten auch, geh\u00f6rt zu einem Wettkampf ein umfangreiches Programm von Ritualen und Zeremonien. Finden die Bogenwettk\u00e4mpfe nicht im Freien, sondern in einer Wettkampfhalle statt, so wird zuallererst ein kleiner Altar errichtet. Die Bogensch\u00fctzen widmen ihn dem Schutzheiligen der Krieger. Und bevor die Sch\u00fctzen \u00fcberhaupt Bogen und Pfeil anr\u00fchren, treten sie mit Reis und Salz vor ihren Heiligen und versuchen, ihn mit diesen Opfergaben vers\u00f6hnlich zu stimmen.<\/p>\n<p>Zu den wohl sch\u00f6nsten Schauspielen des altjapanischen Bogenschie\u00dfens geh\u00f6ren die Anblicke der &#8222;klingenden Sehnen&#8220;, wenn die Kyudokas mit dem Klang ihrer angerissenen Saiten die &#8222;Atmosph\u00e4re zu reinigen&#8220; suchen.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich schie\u00dfen sie dann noch ein paar Pfeile in den Boden, damit sich auch der letzte Makel von den Sch\u00fctzen wenden m\u00f6ge. Diese rituellen Vorbereitungen beim Kyudo genie\u00dfen h\u00f6chstrangige Bedeutung.<\/p>\n<p>Treffer sind Nebensache<br \/>\nDann aber scheint der Wettkampf endlich richtig loszugehen, und der Zuschauer r\u00fcckt sich in Positur. Wenn er nun aber auf sirrende Pfeile hofft, die Schlag auf Schlag abgeschossen und von den emotionalen Bemerkungen der Sch\u00fctzen begleitet werden, mu\u00df er sich eines Besseren belehren lassen: Das Abschie\u00dfen der Pfeile und schlie\u00dflich Treffen ist f\u00fcr die Kyudokas nur Nebensache. Viel wichtiger ist ihnen, wie getroffen wird. Denn Kyudo hat wie alle asiatischen Kampfk\u00fcnste seinen Ursprung im Zen-Buddhismus, einer der drei Str\u00f6mungen in der buddhistischen Religion. Der indische Wanderprediger Bodhidharma hatte mit seinem \u00dcbungssystem eine Grundlage zur k\u00f6rperlichen Ert\u00fcchtigung gelegt. Ziel war, \u00fcber das Studium des Weges der Selbsterkennung zu geistiger Reife zu gelangen. Auf dem &#8222;Weg zur unbeweglichen Mitte&#8220;, so der Zen-Glaube, vereinen die Bogensch\u00fctzen Atemtechnik, Balance und Konzentration mit dem Erkennen des richtigen Abschu\u00dfmoments. So ist es regelrechte Trainingsanforderung, Minuten vor dem Schu\u00df in sich gekehrt und still zu verharren, um K\u00f6rper und Geist total zu beherrschen.<\/p>\n<p>Innere Disziplin, die innere Harmonie des Gedankens und des K\u00f6rpers sowie technische Perfektion im Moment des Bogenspannens, das ist es, was ein Bogensch\u00fctze monatelang lernen mu\u00df, bevor \u00fcberhaupt der erste Pfeil abgeht. Nach 18 Monaten Training darf sich der Sch\u00fcler dann endlich das erste Mal an einer Zielscheibe versuchen.<\/p>\n<p>Pfeil und Bogen waren f\u00fcr die alten japanischen Sch\u00fctzen lediglich &#8222;Hilfsmittel&#8220;, um sich der geistigen und k\u00f6rperlichen Kr\u00e4fte bewu\u00dft zu werden. Den Akt des Abschie\u00dfens eines Pfeiles sahen sie nur als den spektakul\u00e4ren Effekt des Bogenschie\u00dfens an.<\/p>\n<p>Asymmetrische Bogen<\/p>\n<p>Bei gro\u00dfen Wettk\u00e4mpfen tragen die Bogensch\u00fctzen auch heute noch die traditionellen Gew\u00e4nder der Kyudoka: Kimono, schwarzer Hosenrock (Hakama), Leinenschuhe und verschiedene G\u00fcrtel. Und sie bedienen sich mit Vorliebe des alten Samurai-Bogens. Er besteht aus mehreren Schichten von gespannten H\u00f6lzern, auch aus Bambusschichten, die sorgf\u00e4ltig zusammengeklebt wurden. \u00c4hnlich wie bei den Samurai-Schwertern genossen auch die japanischen Meister der Bogenherstellung hohes Ansehen. Sie gaben die Geheimnisse ihrer Kunst nur der eigenen Familie preis.<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich soll die Sonneng\u00f6ttin den kunstvollen Bogen geformt haben. Vor langer Zeit, als die Menschen auf der Erde unter der K\u00e4lte litten und Bittgebete an die G\u00f6tter richteten, erbarmte sich die Sonneng\u00f6ttin, die ihnen helfen und gleichzeitig die Nachgottheiten \u00e4rgern wollte. Sie konstruierte einen Bogen aus den Knochen eines gewaltigen Drachens, nahm als Sehne ein St\u00fcck Morgenrot und scho\u00df einen Sonnenstrahl in Richtung Erde. Das Gescho\u00df entz\u00fcndete auf der Erde ein Feuer, das gleichm\u00e4\u00dfig brannte und damit die Dunkelheit der Nacht erhellte&#8230; Diese Legende zeugt davon, da\u00df die Bogenkunst sehr alt ist und die Meister ihre Tradition pflegen.<\/p>\n<p>Heute ist der Bogen in der Regel zwischen 2,10 Meter und 2,71 Meter lang. Dicke und Spannkraft unterschieden sich je nach Anforderungen und W\u00fcnschen des Sch\u00fctzen &#8211; Anf\u00e4nger nehmen gern leichte Bogen, die Meister schwere. Oft werden die Bogen f\u00fcr Spezialisten extra nach deren Armma\u00dfen gefertigt.<\/p>\n<p>Europ\u00e4ische Zuschauer verwundert immer wieder, da\u00df der typische japanische Kyudo-Bogen asymetrisch konstruiert ist. Dies r\u00fchrt h\u00f6chstwahrscheinlich noch aus vergangenen kriegerischen Zeiten, da der Sch\u00fctze den Bogen nicht in der Mitte hielt, sondern \u00fcber den Kopf bzw. im unteren K\u00f6rperbereich. Auch spannt der japanische Bogensch\u00fctze die Sehne nicht mit dem Finger, sondern mit dem Daumen. Aus diesem Grunde tragen die Sch\u00fctzen einen Lederschutz an den H\u00e4nden. Im Wettkampf schie\u00dfen sie aus 28 Meter Entfernung auf eine im Durchmesser nur 36 Zentimeter gro\u00dfe Papierscheibe, die keine Ringe hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kyudo kommt aus dem Japanischen und ist die Kunst des Bogenschie\u00dfens. Dabei wird Kyudo nicht als Sport im eigentlichen Sinne verstanden, sondern mehr als Kunst der Selbstversunkenheit. 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