{"id":1258,"date":"2008-02-27T09:20:57","date_gmt":"2008-02-27T08:20:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bushido-lubwart.de\/wordpress\/?page_id=1258"},"modified":"2008-02-27T09:22:17","modified_gmt":"2008-02-27T08:22:17","slug":"muskelkater","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.bushido-lubwart.de\/wordpress\/karate-and-more\/gesundheit\/muskelkater\/","title":{"rendered":"Muskelkater"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wissenswertes zur Entstehung und Behandlung<\/strong><\/p>\n<p>Wenn jemand nach der Ursache des Muskelkaters fragt, erh\u00e4lt er meist spontan die Antwort: &#8222;Das kommt doch von der Milchs\u00e4ure!&#8220; (die besonders bei hohen k\u00f6rperlichen Belastungen in gro\u00dfer Menge produziert wird).<\/p>\n<p>Diese weit verbreitete Meinung beruht auf einer vor vielen Jahrzehnten aufgestellten Spekulation, die nie bewiesen wurde, ja die, wie man heute wei\u00df, ausgesprochen unwahrscheinlich ist. Eine v\u00f6llig andere, im anglo-amerikanischen Raum verbreitete Ansicht ist, da\u00df der Muskelkater durch kleine Zerrungen im Gewebe entsteht. In den letzten Jahren haben elektronenmikroskopische Untersuchungen diese Vorstellung erh\u00e4rtet.<\/p>\n<p>Das typische Kennzeichen des Muskelkaters ist, da\u00df er nach einer ungewohnten oder besonders starken muskul\u00e4ren Anstrengung mit einer Verz\u00f6gerung von einem Tag auftritt und dann bis zu einer Woche dauert. Ungewohnt ist f\u00fcr einen Untrainierten, wenn er nach langer Pause wieder am Sport teilnimmt oder eine neue Sportart anf\u00e4ngt. F\u00fcr einen Leistungssportler gilt dies, wenn er eine neue Bewegung ein\u00fcbt oder sich im Wettkampf viel st\u00e4rker als im Training auslastet. Die vom Muskelkater betroffenen Muskel sind eigentlich kraftlos, sie schmerzen bei Bewegungen, aber auch, wenn man auf sie dr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Ob diese Beschwerden urspr\u00fcnglich durch Milchs\u00e4ure oder durch Risse verursacht sind, m\u00fc\u00dfte sich eigentlich aus einer Beobachtung der zum Muskelkater f\u00fchrenden Bewegungen bereits erkennen lassen. Milchs\u00e4ure entsteht n\u00e4mlich in besonders gro\u00dfer Menge bei schnellen, viel Energie fordernden Bewegungen von etwa einer Minute Dauer, wie zum Beispiel dem 400 m-Lauf, weil die Sauerstoffversorgung des Muskels hinter dem Bedarf hinterherhinkt. Risse entstehen dagegen am ehesten bei gro\u00dfer Kraftbelastung, die das Muskelgewebe einer zu hohen Spannung aussetzt.<\/p>\n<p>Gerade bei maximaler Kraftentfaltung ist die Belastung aber nur kurz &#8211; die Kontraktion dauert daher nicht lange genug, um eine Milchs\u00e4ureanh\u00e4ufung auszul\u00f6sen. Die notwendige Energie gewinnt der Muskel bei solchen kurzen Anstrengungen aus der Spaltung sehr energiereicher Phosphorverbindungen.<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dften Kr\u00e4fte entwickelt eine Muskelfaser (= Muskelzelle) nicht etwa, wenn sie sich verk\u00fcrzt, sondern wenn sie durch \u00fcberm\u00e4chtige \u00e4u\u00dfere Kr\u00e4fte gedehnt wird. In diesem Augenblick w\u00e4chst sie sozusagen \u00fcber sich selbst hinaus. Diese sogenannte &#8222;exzentrische Kontraktion&#8220; ist gar nichts Ungew\u00f6hnliches, sondern kommt beim Abbremsen von Bewegungen st\u00e4ndig vor Beim Bergabgehen wird zum Beispiel die Beschleunigung des K\u00f6rpers durch die Schwerkraft st\u00e4ndig von Muskeln abgebremst, die der Dehnung durch aktive Kontraktion Widerstand leisten. Das gleiche geschieht beim Landen nach einem Sprung. Das Entscheidende ist nun, da\u00df gerade solche exzentrische Kontraktionen am h\u00e4ufigsten Muskelkater ausl\u00f6sen, w\u00e4hrend die Milchs\u00e4urebildung dabei sehr gering ist. Fast jedermann erinnert sich an Muskelkater nach Abstieg von einem Berg. Das klassische Experiment stammt von dem skandinavischen Sportphysiologen Asmussen aus dem Jahre 1956. Er lie\u00df Versuchspersonen bis zur Ersch\u00f6pfung mit einem Bein auf einen Stuhl hinauf- und mit dem anderen herabsteigen. Die Probanden erm\u00fcdeten zuerst im Aufsteigebein und hatten am n\u00e4chsten Tag Man kann einwenden, da\u00df in diesem Versuch auch die Muskelkr\u00e4fte durch das K\u00f6rpergewicht vorgegeben und deshalb bei Auf- und Abstieg gleich gewesen seien. Dies stimmt in der Tat f\u00fcr den Gesamtmuskel, aber nicht f\u00fcr die einzelnen Muskelfasern. Das Nervensystem nutzt die gr\u00f6\u00dfere Maximalkraft der einzelnen Faser bei exzentrischer Kontraktion; es benutzt ein ver\u00e4ndertes Innervationsprogramm und setzt entsprechend weniger Fasern als bei der Muskelverk\u00fcrzung. Das Gewicht mu\u00df beim Abstieg also von weniger Fasern als beim Aufstieg getragen werden, so da\u00df auf die Einzelfaser eine gr\u00f6\u00dfere Kraft entf\u00e4llt und damit nat\u00fcrlich die Ri\u00dfgefahr ansteigt.<\/p>\n<p><strong>Der elektronenmikroskopische Beweis<\/strong><\/p>\n<p>Obwohl also schon lange der Zusammenhang zwischen hoher Spannungsbelastung und Muskelfaser feststeht, erfolgte der elektronenmikroskopische Nachweis von Verletzungen doch erst in den letzten Jahren durch skandinavische Anatomen. Aus dem Oberschenkel von Versuchspersonen entnahmen sie Muskelproben unmittelbar und einige Tage nach st\u00e4rkeren Bremsbewegungen mit nachfolgendem Muskelkater. Sie stellten Sch\u00e4den an den sogenannten Z-Scheiben innerhalb der Muskelfaser fest, die offensichtlich Zerrei\u00dfungen waren. Hierzu mu\u00df man wissen, da\u00df die der Kontraktion dienenden Eiwei\u00dfe in regelm\u00e4\u00dfigen Gruppen auf fadenf\u00f6rmigen Strukturen in der Muskelzelle, sogenannten Fibrillen, angeordnet sind. In den Z-Scheiben ist das Aktin verankert &#8211; ein Eiwei\u00df, das sich mit einem anderen, parallel angeordneten Eiwei\u00df &#8211; dem Myosin &#8211; bei der Muskelverk\u00fcrzung verbindet. Bei den Untersuchungen war immer nur ein Teil der Z- Scheiben in bis zu 30 Prozent alten Fasern besch\u00e4digt: vollst\u00e4ndige Faserrisse fehlten. Die Verletzungen heilten innerhalb von sechs Tagen fast vollst\u00e4ndig ab.<\/p>\n<p><strong>Warum erst nach einem Tag?<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich stellt sich die Frage, warum im Augenblick der Verletzung kein Schmerz versp\u00fcrt wird. Der Grund ist einfach: die Schmerznervenendigungen liegen au\u00dferhalb der Muskelfasern im Bindegewebe. Nur wenn auch dort Risse entstehen, f\u00fchlt man sofort Schmerz. Anderenfalls m\u00fcssen erst die besch\u00e4digten Strukturen in der Zelle abgebaut werden, die Spaltprodukte k\u00f6nnen die Schmerznerven nach dem Austritt unmittelbar reizen oder mittelbar dadurch, da\u00df sie Wasser in die Zelle ziehen. Das f\u00fchrt \u00fcber Zellschwellungen zu Gef\u00e4\u00dfeinengung; damit verschlechtert sich die Durchblutung, was ebenfalls Schmerz verursacht. Muskelschmerz f\u00fchrt au\u00dferdem zu einer reflektorischen Verspannung (Muskelh\u00e4rte), die die Durchblutung weiter vermindert und so in einem Teufelskreis den Schmerz verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p>All dies erkl\u00e4rt die Verz\u00f6gerung bis zum Auftreten des Muskelkaters. Auch die Tatsache, da\u00df Muskelkater nur bei ungewohnten Bewegungen auftritt, l\u00e4\u00dft sich gut erkl\u00e4ren. In einer solchen Situation ist die intramuskul\u00e4re Koordination noch schlecht. Der Kontraktionsbeginn in verschiedenen Muskelfasern ist nicht wie nach langer \u00dcbung perfekt synchronisiert, so da\u00df einzelne Fasern noch besonders den hohen Spannungsspitzen ausgesetzt werden. In Wettk\u00e4mpfen verschlechtert sich die Koordination als Folge der Erm\u00fcdung. Unterstrichen wird die Bedeutung der Koordination durch die Tatsachen, da\u00df vor\u00fcbergehende L\u00e4hmung durch muskelerschlaffende Mittel, zum Beispiel w\u00e4hrend Narkose, h\u00e4ufig von Muskelkater gefolgt ist: der L\u00e4hmung gehen n\u00e4mlich unkoordinierte Muskelzuckungen voraus.<\/p>\n<p>Aus dem Gesagten folgt klar, da\u00df man zur Verhinderung des Muskelkaters hohe Kr\u00e4fte vor allem in Zeiten schlechter Koordination vermeiden mu\u00df. Beim Erlernen neuer Bewegungen und bei Beginn einer sportlichen Aktivit\u00e4t sollte man die Belastung nur vorsichtig steigern. L\u00e4\u00dft sich dies nicht durchf\u00fchren, wie etwa im Wettkampf, sind sorgf\u00e4ltiges Warmmachen und vorbereitende Massage wichtig. Hat man erst einmal Muskelkater, so kann man den nat\u00fcrlichen Heilungsproze\u00df offensichtlich kaum beeinflussen. Lindernd wirken passive Dehnungen, leichte bremsende Bewegungen (zum Beispiel gem\u00e4chliches Radfahren bei Beschwerden im Oberschenkel) und W\u00e4rme. Vermutlich verringern diese Ma\u00dfnahmen die schmerzhafte Verspannung. Massage setzt man bei frischen Verletzungen nicht ein, sie hat sich auch bei Muskelkater als wirkungslos erwiesen! Die urs\u00e4chliche Bewegung sollte man in den ersten Tagen vermeiden und dann ganz vorsichtig wieder aufnehmen, um die jetzt besonders empfindlichen verletzten Faserstrukturen nicht w\u00e4hrend der Heilung erneut zu gef\u00e4hrden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wissenswertes zur Entstehung und Behandlung Wenn jemand nach der Ursache des Muskelkaters fragt, erh\u00e4lt er meist spontan die Antwort: &#8222;Das kommt doch von der Milchs\u00e4ure!&#8220; (die besonders bei hohen k\u00f6rperlichen Belastungen in gro\u00dfer Menge produziert wird). 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