{"id":1076,"date":"2008-02-25T18:58:29","date_gmt":"2008-02-25T17:58:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bushido-lubwart.de\/wordpress\/?page_id=1076"},"modified":"2008-02-25T18:58:29","modified_gmt":"2008-02-25T17:58:29","slug":"der-schwarzgurt","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.bushido-lubwart.de\/wordpress\/karate-and-more\/karate-wissen\/der-schwarzgurt\/","title":{"rendered":"Der Schwarzgurt"},"content":{"rendered":"<p>Jeder, der mit irgendeiner Kampfkunst anf\u00e4ngt, m\u00f6chte fr\u00fcher oder sp\u00e4ter seinen &#8222;schwarzen G\u00fcrtel&#8220; haben. Der schwarze G\u00fcrtel scheint eine Art magische Anziehung zu besitzen, er scheint der &#8222;Meisterbrief&#8220; in den Kampfk\u00fcnsten zu sein, was er ja in gewisser Weise auch ist.<\/p>\n<p>Doch wenn wir das Graduierungssystem etwas genauer betrachten, so stellen wir fest, dass die G\u00fcrtel eingef\u00fchrt wurden, um den Fortschritt im Karate auch nach au\u00dfen hin sichtbar zu machen. Hier in der westlichen Welt gibt es weit mehr G\u00fcrtelfarben als beispielsweise in Japan. Zwar gibt es dort die gleiche Anzahl von Kyu-Graden, jedoch sind die G\u00fcrtelfarben dort auf wei\u00df, gr\u00fcn, braun und schwarz beschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>Das Leben der japanischen Sch\u00fcler besteht aus einer Vielzahl von Pr\u00fcfungen.<br \/>\nG\u00fcrtelpr\u00fcfungen im Karate sind hier nur ein Teil davon. In Japan gilt es als unanst\u00e4ndig, sich st\u00e4ndig in den Vordergrund zu stellen. M\u00f6glicherweise ist dies einer der Gr\u00fcnde, warum es dort weniger Farben gibt, als hierzulande. Dennoch haben alle erreichten Graduierungen nur einen Sinn: Sie dokumentieren den erfolgreichen Abschluss einer bestimmten Lernphase, eines bestimmten Trainingsabschnitts. So sind sie alle nur ein Meilenstein auf dem langen Weg.<\/p>\n<p>Es erscheint mir pers\u00f6nlich ein wenig \u00fcbertrieben, wie der &#8222;schwarze G\u00fcrtel&#8220; hochgelobt wird. Was ist das schon? Als ich einmal anfing Karate zu \u00fcben, tat ich dies, weil ich lernen wollte mich selbst zu verteidigen. Dieses Ziel musste ich jedoch bald weiter nach hinten stellen, da ich erkannte, dass hierzu sehr langes Training erforderlich sein w\u00fcrde. Nicht als Gelb- oder Orangegurt und auch nicht sp\u00e4ter als Gr\u00fcn-, Blau- oder Braungurt f\u00fchlte ich mich sicher, dass ich von mir behaupten konnte, mich jetzt immer und in jeder Situation verteidigen zu k\u00f6nnen. Ich erkannte vielmehr, dass die beste Selbstverteidigung immer noch eine ausgezeichnete 100-Meter-Zeit ist.<\/p>\n<p>Durch das Training werden uns immer wieder unsere Schwachpunkte aufgezeigt, an denen wir arbeiten m\u00fcssen, um unsere Techniken weiter zu vervollkommnen. Shotokan kann wohl zu recht als der Karate-Stil bezeichnet werden, der am meisten auf das Detail achtet. Doch nur, wenn auch die letzte Kleinigkeit stimmt, ist auch die h\u00f6chste Effektivit\u00e4t und Perfektion gew\u00e4hrleistet. Das liebe ich am Shotokan Karate. Immer wieder gibt es Dinge, die man neu entdecken kann, die man auf&#8217;s neue lernen oder verbessern muss.<\/p>\n<p>Pr\u00fcfungen helfen uns hier. Doch dazu m\u00fcssen die Pr\u00fcfungsanforderungen auch dem entsprechen, was der Sch\u00fcler auf der jeweiligen Stufe braucht. Wir brauchen keinen Universit\u00e4tsabschluss, bevor wir das Gymnasium verlassen haben. Wir sind nicht automatisch erwachsen, nur weil wir das 18. Lebensjahr vollendet haben. Wir haben nicht das Recht uns \u00fcber andere zu erheben, nur weil wir glauben, dass wir es besser w\u00fcssten als der andere.<br \/>\nDas Gymnasium muss optimal auf das Studium an der Universit\u00e4t vorbereiten. Unsere Lebenserfahrung nimmt mit jedem Tag zu und wir lernen st\u00e4ndig neues und m\u00fcssen bereit sein, anderen geduldig unseren Standpunkt zu erkl\u00e4ren. Wenn wir andere von unserem Standpunkt \u00fcberzeugen k\u00f6nnen, dann waren wohl unsere Argumente gut und richtig (oder wir sind ausgezeichnete Schaumschl\u00e4ger).<\/p>\n<p>Was bedeutet dies nun auf das Karate bezogen? Was ich damit sagen will ist, dass jede einzelne Karate-Pr\u00fcfung auf die n\u00e4chste Pr\u00fcfung vorbereiten soll. Die Anforderungen m\u00fcssen von Stufe zu Stufe erkennbar steigen aber sie d\u00fcrfen wiederum auch nicht unerreichbar hoch sein. Ebensowenig wie irgend jemand mit 18 erwachsen geworden ist und jetzt die Lebensweisheit eines 30 oder 40j\u00e4hrigen besitzt, kann man die technischen Karate-Graduierungen und hierzu z\u00e4hlt insbesondere auch der 1. Dan vom Erreichen eines bestimmten Alters abh\u00e4ngig machen. Der 1. Dan ist ein Experte der Grundtechniken, d.h. er ist in der Lage, die Grundtechniken jetzt korrekt &#8211; unter Beachtung von Timing, Distanz und Kontrolle &#8211; auszuf\u00fchren. Das ist aber auch schon alles, was aber wiederum nicht hei\u00dfen soll, dass man &#8222;nur&#8220; ein Shodan ist. Den Shodan zu erreichen, ist eine Leistung, die nicht vielen gelingt. Doch Shodan zu sein, hat nichts mit &#8222;geistiger Reife&#8220; zu tun, wie es besonders hier in Deutschland immer wieder proklamiert wird. Um ein Meister seines Handwerks zu werden, muss man sich in seinem Handwerk auskennen und es gut lernen. Der Meister ist in der Lage, das Handwerk auch an andere weiterzugeben. In diesem Sinne ist der Shodan wohl am ehesten mit dem Gesellen im Handwerk zu vergleichen. Er hat sein Handwerk gelernt und geht nun auf Wanderschaft, um die letzten Tricks und Kniffe zu lernen, Erfahrung zu sammeln und dann seine Meisterpr\u00fcfung abzulegen.<\/p>\n<p>Warum sollten wir daher jemanden verwehren, der sein Handwerk gelernt hat, die &#8222;Gesellenpr\u00fcfung&#8220; abzulegen? Nur weil er noch nicht 18 ist? Wieviel mehr Lebenserfahrung hat denn ein 18j\u00e4hriger tats\u00e4chlich gegen\u00fcber einem 16 oder 15j\u00e4hrigen? Wieviel mehr Einsichtsf\u00e4higkeit besitzt er aufgrund seiner Lebenserfahrung? Ich glaube, dass die Unterschiede hier wohl eher gering sind. Ich habe in Japan selbst Kinder von 12, 13 Jahren mit einem Schwarzgurt gesehen. Ihre Techniken waren makellos. Wie h\u00e4tte ich diesen Kindern erkl\u00e4ren sollen, dass sie aufgrund Ihres Alters bis zum Schwarzgurt noch 5 oder 6 Jahre zu warten h\u00e4tten?<\/p>\n<p>Es wird hierzulande immer wieder argumentiert, dass der Schwarzgurt ein Meistergrad sei und dazu Lebenserfahrung geh\u00f6re, man Vorbild sein m\u00fcsse. All dies ist richtig, aber es berechtigt uns nicht, anderen den Fortschritt, die Pr\u00fcfung zu verwehren. Jeder hat ein Recht auf eine Pr\u00fcfung und wer Talent hat, muss auch entsprechend gef\u00f6rdert werden &#8211; er hat sich durch sein best\u00e4ndiges M\u00fchen die Pr\u00fcfungsteilnahme verdient.<\/p>\n<p>Es versteht sich von selbst, dass h\u00f6her graduierte Sch\u00fcler ihren j\u00fcngeren Sch\u00fclern Vorbild sein m\u00fcssen. Aus dem japanischen Gesellschaftsverst\u00e4ndnis heraus ist der j\u00fcngere Sch\u00fcler hier ein zwiespaltiger Begriff ebenso wie der Begriff &#8222;Sensei&#8220;. Ein Sensei ist jemand, der jemandem anderen etwas voraus hat. Sensei ist die gebr\u00e4uchliche Bezeichnung f\u00fcr &#8222;Lehrer&#8220;. Sie dr\u00fcckt aber in den Kampfk\u00fcnsten zudem auch Respekt, Ehrerbietung und Dankbarkeit gegen\u00fcber dem Lehrer aus. H\u00f6her graduierte Sch\u00fcler tragen durch ihr beispielhaftes Verhalten zu einem guten Klima im Dojo bei. Sie helfen den j\u00fcngeren Sch\u00fclern. Zugleich d\u00fcrfen sie zu Recht von den j\u00fcngeren Sch\u00fclern erwarten, dass diese ihnen Respekt und Achtung entgegenbringen. Doch trotzdem spielt auch das Alter eine entscheidende Rolle. Niemals wird sich in Japan ein Erwachsener vor einem Kind als &#8222;\u00e4lteren Sch\u00fcler&#8220; verbeugen. Zuerst kommt das Alter und damit einher die Lebenserfahrung und dann der Fortschritt in der Kunst. Die gesellschaftliche Stellung spielt in Japan au\u00dferdem noch eine nicht zu untersch\u00e4tzende Rolle, auf die hier aber nicht weiter eingegangen werden soll.<\/p>\n<p>Betrachten wir dies alles zusammen, so werden wir feststellen, dass die Pr\u00fcfung zum Shodan nichts als ein weiterer Schritt auf dem langen Weg ist. Sicherlich ein entscheidender, denn ab dem Shodan ver\u00e4ndert sich die G\u00fcrtelfarbe nicht mehr &#8211; sie bleibt schwarz, doch man wird damit nicht quasi \u00fcber Nacht zu einem anderen Menschen.<\/p>\n<p>Ich f\u00fcr meinen Teil sehe keinen vern\u00fcnftigen Grund, die Pr\u00fcfung zum Shodan an das Erreichen eines bestimmten Alters zu kn\u00fcpfen. Wer das Handwerkszeug hat, der soll auch vorankommen. Es ist wohl eher ein falsches Verst\u00e4ndnis der Bedeutung des Shodan, des 1. Schwarzgurts (von 9 zu Lebzeiten erreichbaren Graden), die uns daran festhalten lassen, den Shodan an einer Altersgrenze festzumachen. Vielleicht f\u00fcrchten wir auch einfach nur, die Bedeutung des Schwarzgurtes abzuwerten und damit die eigene Position zu untergraben&#8230; Wie dem auch sei: Ein Lehrer beweist sich durch sein Wissen und seine F\u00e4higkeiten, nicht durch eine G\u00fcrtelfarbe.<\/p>\n<p>Letztlich ist der Schwarzgurt etwas Besonderes, weil ihn nicht viele erreichen, weil ihnen einfach die Geduld fehlt, so lange durchzuhalten. Die ihn erreichen werden erkennen, dass der Shodan auch nur ein weiterer Meilenstein auf dem Weg ist. Wir werden durch die Pr\u00fcfung nicht besser oder schlechter, aber durch die bestandene Pr\u00fcfung k\u00f6nnen wir den erfolgreichen Abschluss dieses Abschnitts dokumentieren und uns zugleich an die Bew\u00e4ltigung des n\u00e4chsten Zieles machen. Wenn ein Abschnitt erfolgreich abgeschlossen werden kann, sollten nicht irgendwelche starren Regeln den Abschluss verhindern. Es ist ein besonderer Meilenstein, weil sich die G\u00fcrtelfarbe ab jetzt nicht mehr \u00e4ndert, aber letztlich macht uns der schwarze G\u00fcrtel noch nicht automatisch zum &#8222;Meister&#8220; oder &#8222;Sensei&#8220;. Wir m\u00fcssen st\u00e4ndig an uns arbeiten und uns die Graduierung t\u00e4glich neu verdienen.<\/p>\n<p>Ein Sensei ist letztlich jemand, der uns positiv beeinflusst.<\/p>\n<p>Das Graduierungssystem ist wie eine Pyramide aufgebaut. Die Kyu-Grade werden r\u00fcckw\u00e4rts gez\u00e4hlt, bis wir schlie\u00dflich zum ersten Dan (Shodan) gelangen. Damit ist die Grundlage, die Basis f\u00fcr die Kampfkunst erreicht. Man ist jetzt den Kinderschuhen entwachsen. Vom ersten Dan an werden die Graduierungen aufw\u00e4rts gez\u00e4hlt. Von nun an kann man wirklich Fortschritte in der Kampfkunst machen, denn die Grundlagen sind verstanden und man kann tiefer in die Kunst eindringen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jeder, der mit irgendeiner Kampfkunst anf\u00e4ngt, m\u00f6chte fr\u00fcher oder sp\u00e4ter seinen &#8222;schwarzen G\u00fcrtel&#8220; haben. Der schwarze G\u00fcrtel scheint eine Art magische Anziehung zu besitzen, er scheint der &#8222;Meisterbrief&#8220; in den Kampfk\u00fcnsten zu sein, was er ja in gewisser Weise auch ist. Doch wenn wir das Graduierungssystem etwas genauer betrachten, so stellen wir fest, dass die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":1057,"menu_order":2,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"class_list":["post-1076","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.bushido-lubwart.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1076"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.bushido-lubwart.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.bushido-lubwart.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bushido-lubwart.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bushido-lubwart.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1076"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.bushido-lubwart.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1076\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bushido-lubwart.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1057"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.bushido-lubwart.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1076"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}