Safar-Lehrgang in Demmin

Mit 67 Jahren ist Safar Sensei noch immer kein bisschen müde und reist nach wie vor um die ganze Welt, um das Karate weiter verbreiten zu helfen. Das Demminer Karate-Dojo hatte Safar Sensei nunmehr bereits zum 3. Mal auf einen Lehrgang eingeladen. Weit über 90 Karateka - darunter auch zahlreiche Braun- und Schwarzgurte waren der Einladung zu diesem Lehrgang gefolgt. Wenngleichd der Weg nach Demmin recht weit ist (immerhin sind es fast 400 Kilometer), so hat er sich doch wie immer gelohnt. Ein exzellentes Training in hervorragender Atmosphäre entschädigt allemal. Zwar haben wir am Freitag das allgemeine Training verpasst, jedoch stand ja auch noch das Instructor-Training auf dem Programm. Die schlechte Luft in der Halle, bedingt durch die wohl viel zu kleinen Fenster, die keine gute Durchlüftung zuließen, und das wieder einmal alles abverlangende Training von Safar Sensei führten dazu, dass alle recht schnell an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit stießen. In dieser Instructor-Trainingseinheit, die aber auch für weitere interessierte Schwarzgurte offen war, ging Safar Sensei zunächst auf die im vorangegangenen Training erkannten Fehler-Schwerpunkte ein, die es nun zunächst bei den Instruktoren zu verbessern galt: die Krafterzeugung durch Rotation und Vibration. Hierzu nutzte er verschiedene Übungsformen, um die richtige Technik herauszuarbeiten. Nach dem schweißtreibenden Training ging es erst einmal unter die Dusche und dann ins "Luisentor", der Demminer Jugendherberge, die sich in einem alten Stadttor befand. Aber wir Arnfried hatte zu einem gemütlichen Abend zu sich nach hause eingeladen. Gern folgten wir seiner Einladung. Als wir dort eintrafen, waren auch schon Safar Sensei mit seiner Frau und einige andere Instruktoren da. Wir unterhielten uns und fachsimpelten über diverse Themen. Wie immer konnten wir auch diesmal sehr viel dazulernen. Safar Sensei's Wissen scheint schier unerschöpflich zu sein und auf eine fast unbegreifliche Art trifft er immer den Kern der Sache. So kann man auch außerhalb des Training in entspannter Atmosphäre immer wieder neue Dinge kennenlernen und erfahren. Früh am Morgen ging es dann ins Bett, denn das nächste Training sollte nicht lang auf sich warten lassen. Die Gi's waren über Nacht gerade so getrocknet, nachdem sie am Abend zuvor vor Schweiß nur so trieften. - Aber Safar Sensei würde schon wieder dafür sorgen, dass sie nicht allzulange trocken bleiben müssen. Zu Beginn des ersten Trainings kam der Bürgermeister der Stadt Demmin persönlich vorbei, um Safar Sensei und die anwesenden Karateka zu begrüßen. Im Anschluss nutzte Safar Sensei die Gelegenheit um die Dan-Prüfungsurkunden der erfolgreichen Prüflinge vom Februar sowie die Instruktor-Urkunden vor allen Anwesenden zu überreichen. Doch dann ging es auch schon wieder in die Vollen. In der ersten Trainingseinheit sollte es zunächst um Abwehren und Kontern gehen, wobei besonderer Wert auf die korrekte Hüftarbeit (Rotation) gelegt wurde. Das Hauptaugenmerk galt diesmal der richtigen Anwendung des Dreicks-Prinzips, ohne welches korrekte, starke Techniken unmöglich sind. Immer wieder unterbrach Safar Sensei das Training, um einige besonders gravierende Fehler aufzuzeigen oder Schwerpunkte näher zu erläutern. Ein sehr wichtiger Punkt soll nicht unerwähnt bleiben: Beide Partner sind für eine gute Übung verantwortlich, wie Safar Sensei selbst in einem Beispiel mit einem kleinen Grüngurt demonstrierte. Der Angreifer soll Angreifen üben und dabei schnell und stark vorgehen, während der Verteidiger das Abwehren übt, wobei aber auch die Abwehr ein Angriff ist. Der Angreifer greift mit Fauststoß an, während der Verteidiger seinerseits mit seinem Handgelenk das Handgelenk des Angreifenden angreift. So zeigte er, dass der Angreifer die Reaktion des Verteidigers bestimmt. Ein starker schneller Angriff zwingt den Verteidiger dazu schnell zu reagieren, während ein schwacher, langsamer Angriff auch zu einer entsprechenden Verteidigung führt. In der Mittagspause gingen wir in ein nahegelegenes Asia-Bistro und schauten uns dann noch ein wenig um, bevor wir uns müde ins Auto legten, um die verbleibende freie Zeit zum Entspannen zu nutzen. Am Nachmittag stand das Thema "Körperverschiebung" auf dem Programm. Durch den Aufbau einer korrekten Außenspannung in den einzelnen Stellungen (Kiba Dachi und Zenkutsu Dachi) und lösen des vorderen oder hinteren Fußes kann Bewegung nach vorn bzw. hinten erzeugt werden, wie Safar Sensei demonstrierte. Dies war dann auch für den Rest der Stunde unser Programm. Verschiedene Übungen mit und ohne Partner halfen hierbei. Zum Schluss taten nicht wenigen die Füße weh - aber in gewisser Weise gehört dies wohl auch dazu. Das Ende des Trainings war an sich einfach: Kiba Dachi - aber Safar Sensei ließ uns einige Minuten unbeweglich in Kiba Dachi stehen, während er einige Stories aus seiner Zeit in der Instruktor-Schule erzählte. Die zum Abschluss folgenden Choku Zuki waren eine echte Erlösung, halfen sie doch die Schmerzen in den Beinen vergessen. Interessant vielleicht noch anzumerken: Alle Trainingseinheiten fanden in einer Gruppe statt, d.h. ohne die sonst übliche Unterteilung Anfänger / Fortgeschrittene. Um jedoch auch das Training für die Oberstufe entsprechend ihrem Niveau zu gestalten, verteilte Safar Sensei hier Zusatz-Aufgaben. Ich hoffe, dass wir zu diesem sehr lehrreichen Lehrgang beim nächsten Mal etwas mehr Mitglieder unseres Vereins begrüßen können. Übrigens: In der Zeit vom 5. - 7. November 2004 wird Safar Sensei in unserem Dojo in Elsterwerda sein.

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