Intructorenausbildung

Die zweite Instructorausbildung des Jahres wurde durch Sensei Tanaka (8. Dan) vom Honbu-Dojo der JKA geleitet. Nach der von Sensei Tanaka fortgesetzten und vertieften Aufwärmphase ging das Training sofort richtig los. Zunächst war ein kurzes Grundschulprogramm dran, doch dann ging es sofort mit dem eigentlichen Trainingsinhalt weiter. Mae Geri - das Lieblingsthema Sensei Tanakas. Das, was jetzt folgte, erinnerte mich sehr stark an altbekannte Zeiten in Wien. Zuerst wurde mit links und dann mit rechts Mae Geri geübt, wobei jeder der Trainingsteilnehmer einmal durchzählen durfte. Unter dem Strich waren so etwas über 600 Mae Geri zu absolvieren. Letztlich hatte ich für den Rest des Seminars selbst bei besonderem Bemühen Schwierigkeiten, tief zu stehen. Doch Sensei Tanaka ging auch auf weitere Schwerpunkte an. So zeigte er beispielsweise auch wichtige Fehler auf, die von uns bei so einfachen Dingen wie Kiba Dachi oder Kokutsu Dachi gemacht wurden. Er wies darauf hin, dass häufig durch das starke Einbeugen des Knies oder eine zu breite Stellung ein tieferer Stand zu erreichen versucht wird, doch gerade dies der falsche Weg sei. Ein tiefe Stellung gehe von der Hüfte aus, so Sensei Tanaka. Hier haben aber die Japaner traditionell ein leichteres Spiel. Während die Europäer schon sehr früh lernen, auf Stühlen zu sitzen, nimmt der Japaner sein Essen im bekannten Schneidersitz ein. Hierdurch werden die gerade für eine tiefe Stellung wichtigen Muskel- und Sehnengruppen gedehnt und ermöglichen es, eine tiefe Stellung einzunehmen. Dennoch sei dies kein Grund, keine korrekte Stellung einzunehmen. Jeder könne lernen, richtig und vor allem auch richtig tief zu stehen. Man müsse nur genug üben... Am Samstag Nachmittag ging Sensei Tanaka zum Kata-Training über, wobei zunächst nur die ersten Heian Kata geübt wurden. Auch hier zeigte er zahlreiche Fehlerquellen auf und gab Hinweise und Tips, wie man diese künftig vermeiden könne. Es war schon erstaunlich, wie viel bereits die Braun- und Schwarzgurte bei solch grundlegenden Übungen falsch machten. Ein Grund mehr, künftig intensiver und aufmerksamer zu trainieren. Am Sonntag waren drei Stunden Training vorgesehen. Nach einer kurzen Erwärmung hieß es partnerweise zusammen und es wurde Gohon Kumite geübt. Es war schon fast wie in Wien. Einfache Angriffs- und Abwehrtechniken in einer schier unablässig scheinenden Abfolge und dabei übten wir dies gerade einmal rund zwanzig Minuten, doch das Tempo macht die Musik. Nach einer kurzen Pause wurde das Training dann mit intensiven Kata-Training fortgesetzt, wobei das Wort "intensiv" wohl eher relativ zu verstehen ist. Sensei Tanaka hatte sich vorgenommen, Parallelen zwischen den einzelnen Shotokan-Kata aufzuzeigen und übte die Kata entsprechend auch in den zusammengehörenden Gruppen. Dies hatte andererseits aber auch zur Folge, dass für das Üben der Kata mit Applikation am Partner kaum mehr als fünfzehn Minuten blieben. So übten wir allein fünf Heian Kata, Kanku Dai, Jion, Bassai Dai, Enpi, Jitte, die drei Tekki-Kata und nicht zuletzt auch Gojushiho Dai. Diese Kata wurde zum Abschluss vom Meister persönlich demonstriert und ich kann Euch versichern - was der nun schon über sechzig Jahre alte Meister da vorführte war wirklich erstaunlich! Man konnte die von seinen Techniken ausgehende Kraft förmlich spüren.
Den Abschluss des Lehrgangs bildete die Übergabe eines kleinen Geschenks, welches Pierre Leiding ihm überreichte, einen Säbel, den Sensei Tanaka in alter Samurai-Manier auch sofort schwang. Ich freue mich bereits auf das nächste Jahr, wenn wir wieder zu einem Instructor-Course mit Sensei Tanaka fahren dürfen.

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