Pfingstlehrgang

Eigentlich macht man ja Pfingsten Urlaub, erholt sich einmal in aller Ruhe von den Strapazen des Alltags, doch leider (und vielleicht auch zum Glück), hatte der Shotokan Ryu in Deutschland dieses Jahr zu Pfingsten zu einem Lehrgang mit dem JKA-Kata-Weltmeister Sensei Imura (7° Dan) nach Berlin eingeladen. Schätzungsweise werden wohl so um die dreihundert Karateka beim Lehrgang gewesen sein... Trotz des herrlichen Pfingstwetters waren dieser Einladung zahlreiche Karateka aus dem gesamten Bundesgebiet gefolgt, um bei diesem Meister zu üben und zu lernen. Nach einer kurzen Begrüßung ging das Training auch schon gleich voll los. Sensei Imura ließ keine Zweifel darüber aufkommen, was Sinn und Zweck des Lehrgangs sei - nämlich das Trainieren. Die einzelnen Trainingsgeinheiten waren auf je eine Stunde beschränkt, so daß das Training selbst wohl kaum lang werden konnte. Den Hauptschwerpunkt des Trainings legte Sensei Imura bei den Fortgeschrittenen auf die richtige Hüftposition, die, wie er fand, bei vielen zu hoch ist. Auch bewegen sich zahlreiche Karateka noch immer mit der typischen Hoch-Tief-Hoch - Bewegung der Hüfte vor. Dies müsse unbedingt abgestellt werden. Die von Sensei Imura angesetzten Übungen bestanden hauptsächlich aus altbekannten Techniken. Oi Zuki stand ebenso auf dem Programm wie Mae Geri oder Gyaku Zuki. Damit hatte sich das Lehrgangs-Repertoire auch schon fast erschöpft. Wer jedoch glaubte, daß dies alles sei, dem sei zur Vorsicht geraten. Denn anhand dieser doch recht einfach erscheinenden Techniken vermittelte Sensei Imura sein Geheimrezept einer wirkungsvollen Karate-Technik: Ein guter Hüfteinsatz gepaart mit einer tiefen Hüftposition. Dies dem Meister gleichzutun war gar nicht so einfach wie man zunächst meinen wollte. Denn nach der zwanzigsten oder dreißigsten Wiederholung der Technik taten die Beine langsam weh und sehnten sich nach einer bequemeren Stellung. Allein Sensei Imura hielt uns an, weiter tief zu stehen. Gerade dann, so der Meister, wenn die Beine anfingen weh zu tun, gerade dann müsse man sich besonders auf die tiefe Stellung konzentrieren. Nur so könne man seine Stellung dauerhaft verbessern. Ein besonders wichtiger Aspekt im Training war auch das kräftige Abstoßen in der Vorwärtsbewegung. Hier demonstrierte Sensei Imura sehr deutlich welch einen Unterschied es ausmacht, ob man sich nur einfach mal so mit einem Schritt vorbewegt, oder ob man sich deutlich über das vordere Bein hinweg nach vorn abstößt. Ebenfalls ein häufig auftretender Fehler, den wohl leider allzu viele Karateka begingen: Das vorgehende Bein wurde nicht immer richtig am Standbein vorbei nach vorn geführt; statt dessen gehen viele mit einem breiten Schritt vor. Auch dies muß immer berücksichtigt werden. So zeigte uns Sensei Imura an solch einfachen Techniken vielerlei Dinge auf, die wir unbedingt verbessern müssen und ich denke er hat uns wieder genug Übungsstoff gegeben. Das Training selbst war durchaus logisch aufgebaut und verfolgte insgesamt gesehen nur ein Ziel: Das systematische Hinführen auf das auf den Sonntag nachmittag gelegte Kata-Training. Sensei Imura hatte die Kata Empi ausgewählt, die aufgrund ihrer spezifischen Bewegungen an den Flug einer Schwalbe erinnert. Gerade dieser Kata sind blitzschnelle Wendungen und eine insgesamt relativ tiefe Hüftposition eigen. Wer Sensei Imura's Training kannte hätte wissen müssen, daß er nur Kata vorbereiten wollte. Er versteht es nämlich wirklich meisterhaft Parallelen zu Grundschule und Kumite herzustellen. Nach einem ausgiebigen Grundschul- und anschließendem Partnertraining, folgt regelmäßig Kata-Training, welches all die bereits in den vorangegangenen Lektionen geübten Techniken logisch fortführt und so eine Verbindung herstellt. Hier wird der Ausspruch von den drei Säulen des Karate: Kihon (Grundschule), Kumite (Partnerübung) und Kata (Form) Realität und hautnah erlebbar, hier versteht man, daß diese Grundaussage eigentlich bereits auch die richtige Lehranweisung enthält: Nach dem Üben der Grundtechniken werden diese am Partner umgesetzt, um anschließend die Anwendung der Kata besser zu verstehen. Eine kleine kritische Anmerkung am Rande sei mir gestattet. Leider hielt sich Sensei Imura meist bei den Schwarzgurten auf, erklärte dort leise seine Kritikpunkte und Hinweise Pierre Leiding, der diese dann laut als Übungsanweisung weitergab. Hier wäre wünschenswert gewesen, daß der Meister seine Techniken allen Karateka zeigt und erklärt. Insbesondere die Blaugurte bekamen so häufig nur wenig oder auch gar nichts von den Erklärungen des Meisters mit. Am Ende des Trainings überreichte Sensei Imura als Zeichen seiner Anerkennung einigen Schwarzgurten einen Gürtel, verbunden mit der Bitte, auch künftig so weiterzumachen wie bisher und das JKA-Karate in Deutschland weiter zu verbreiten. Zu den so geehrten gehörten unter anderem Pierre Leiding, Wulf Ader, Siggi Gelz, Klaus Maihöfer, Jan Gebhardt, Dirk Leiding und auch der schon von zahlreichen Veranstaltungen bekannte Dolmetscher Andreas. Diese Ehrung nahm Sensei Imura unter dem Beifall der zahlreichen Anwesenden vor.

Kommentieren